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Nattern auf Gran Canaria. Gattung Lampropeltis u. Pantherophis

- Von Roland - in: Colubridae (Nattern)

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Faunenverfälschung oder invasive Arten. Auf Gran Canaria gibt es keine Schlangen. Aber in letzter Zeit sorgen zwei Arten, die offenbar aus einer Schlangenhaltung entwichen sind, für großes Aufsehen. Beide haben es geschafft sich an die hiesigen Lebensbedingungen anzupassen und fortzupflanzen. Es handelt sich um die Königsnatter (Lampropeltis getulus californiae) und die Kornnatter (Pantherophis guttatus, früher Elaphe guttata).

Lampropeltis getulus

Königsnatter (Lampropeltis getulus)

Den Medienberichten nach sind die Tiere schon recht weit verbreitet, auch über den Barranco von Telde hinaus. Ausgehend vom Barranco Real de Telde, La Solana und San Roque hat sich Lampropeltis getulus californiae offenbar jetzt bis nach Santa Brígida, Valsequillo, Las Palmas de Gran Canaria, La Higuera Canaria, La Majadilla, San Juan und San Gregorio verbreitet. Die Umweltgruppe des Gemeinderates von Telde hat bis Oktober 2008 insgesamt 96 Exemplare dieser Königsnattern gefangen. Man vermutet, daß es bereits über 500 Tiere sein könnten.

Ich selbst habe während meines Studiums als Herpetologe und Terrarianer verschiedene Vertreter der Gattung Lampropeltis nachgezüchtet. Auch Elaphe guttata konnte ich erfolgreich nachzüchten. Die Jungtiere der Gattung Lampropeltis fressen in freier Natur kleine Echsen und müssen nach dem Schlupf mittels einer schwierigen Zwangsfütterungstechnik an Mäuse gewöhnt werden.

Ein verantwortungsbewußter und seriöser Terrarianer läßt keine Schlangen entweichen.
Wenn es Giftschlangen wären, hält man sich an die Sicherheitsvorschriften.
Wenn man in einem Land lebt in dem das Aussetzen seiner Pfleglinge zu einem ökologischen Problem führen kann, hält man sich ebenfalls an die Sicherheitsstandards für Giftschlangen, auch wenn es keine Giftschlangen sind.
Wer diese Schlangen frei gelassen hat muß sich harter Kritik stellen. Er stellt alle seriösen Terrarianer in ein schlechtes Licht.

Sicherheitsvorschriften der DGHT zur Haltung von Schlangen >>>

Lampropelten oder Königsnattern (auch falsche Korallenschlange, weil Sie mit den hochgiftigen Korallenschlangen der Gattung Micrurus bei oberflächlicher Betrachtung zu verwechseln sind) sind in freier Natur auf Echsen, Schlangen und Nagetiere spezialisiert.

Die Gattung Lampropeltis, wenn sie mit dem Klima zurechtkommt, ist meiner Meinung nach, eine ernste Bedrohung für die endemische Herpetofauna. Das sind spezialiserte Echsenfresser, vor allem die Jungtiere. Hier auf Gran Canaria bleiben wohl die endemischen Echsenarten der Haupt-Speiseplan.

Lampropeltis getulus kommt in verschiedenen Unterarten vor. Einer meiner Studienkollegen während meines Biologiestudiums hatte diese Art gezüchtet. Lampropeltis getulus wird sehr groß, an die 1,80 m. Lampropeltis getulus kann schwarz und weiß geringelt oder gesprenkelt sein und es gibt viele weitere Zeichnungsspielarten. Obwohl Lampropeltis getulus californiae ungiftig und ungefährlich ist, können die Tiere recht kräftig sein. Wenn man eine sieht, nimmt man am besten ein Hemd oder T-Shirt und greift Sie damit. Auf offenem Gelände zum Beispiel auf einem Weg oder einer Straße kann man auch den Kopf der Schlange mit einem Wanderstock “LEICHT” zu Boden drücken und die Schlange dann hinter dem Kopf packen. Dann einfach in eine Seitentasche vom Rucksack stecken und den Reißverschluß zu machen. Nicht in Plastikware transportieren, weil die Tiere ersticken können. Den Behälter oder Rucksack nicht in die pralle Sonne stellen. Lampropeltis getulus in freier Natur ernährt sich von anderen Schlangen, Echsen und Nagetieren.

Pantherophis

Die Kornnatter (Pantherophis guttatus)

Nach den Medien und den Fotos zu urteilen, handelt es sich bei Pantherophis guttatus
um Albinos. Pantherophis guttatus ernährt sich von Mäuse, Echsen und Kleinvögeln. Pantherophis guttatus wird bis zu 2 m lang und ist völlig ungefährlich. Die können zur Verteidigung beißen aber es passiert nichts. Meist ist es nur der Schock des Gebissenen, der ein Kreislaufproblem bereiten kann. Die Agaven auf Gran Canaria sind gefährlicher, wie ich schon am eigenen Leibe mehrfach erfahren konnte.

Es gibt bereits Arbeitsgruppen um die Schlangen in Ihrer Ausbreitung zu stoppen. Dazu werden auch Schlangenfallen eingesetzt.

Beteiligt an dieser Arbeit sind:

  • Der Gemeinderat mit Koordinator Gorgonio Díaz
  • Francisco Martín von der Dirección General del Medio Natural del Gobierno de Canarias
  • Juan Salvador León von der Consejería de Medio Ambiente
  • Die Firma Gesplan in Zusammenarbeit mit dem Professor López Jurado
  • Die Universität von Las Palmas mit dem Herpetologen Luis Felipe López
  • Der Biologe Pascual Calabuig
  • Die Polizei und die Guardia Civil
  • Desweiteren Bauern und Einzelpersonen aus Telde

Gute Ideen sind willkommen, melden Sie sich bitte bei mir, ich werde die nötigen Kontakte herstellen.

Links zur weiteren Information:
http://www.lampropeltis.eu/
http://www.lampropelten.de.vu/
http://www.lampropeltis.ch/

Systematik

  • Klasse:    Reptilia
  • Ordnung:    Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Unterordnung:    Serpentes
  • Familie:    Colubridae
  • Gattung:    Lampropeltis (Königsnattern)
  • Art:    Lampropeltis getulus californiae
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