VitalTrend

Der Madre de Louro lebt parasitisch auf dem Kanaren Lorbeer auf Gran Canaria

- Von Roland - in: Pilze, Flechten, Moose u. Moosfarne

Post image for Der Madre de Louro lebt parasitisch auf dem Kanaren Lorbeer auf Gran Canaria

Auf einer unserer Wanderungen auf Gran Canaria in Osorio und im Barranco de la Virgen entdeckten wir einen ausgesprochen auffälligen und merkwürdigen Pilz. Wir waren mit einem Geologen aus Las Palmas unterwegs, der uns sagte, es handele sich um den sogenannten “Madre de Louro”(portugiesisch). Der genaue lateinische Name blieb uns unbekannt. Mangels geeigneter Fachliteratur habe ich die Fotos der bekannten Mykologin Frau Rose Marie Dähncke aus La Palma gezeigt und erfuhr den wissenschaftlichen Namen Laurobasidium lauri.

Lauribasidium lauri auf dem Kanarenlorbeer auf Gran Canaria. Es werden viele Fliegen angelockt.

Laurobasidium lauri auf dem Kanarenlorbeer auf Gran Canaria. Es werden viele Fliegen angelockt.

Auf den kanarischen Inseln gibt es vier verschiedene Arten aus der Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae). Apollonias barbujana, Persea indica, Ocotea foetens und den Azoren-Lorbeer oder Kanaren-Lorbeer (Laurus azorica), der neuerdings als Laurus novocanariensis geführt wird. Synonyme sind Persea azorica oder Laurus canariensis. Die Kanaren sagen einfach Laurel. Der Kanaren Lorbeer kann über 20 m hoch werden und ist der häufigste Vertreter der Lorbeergewächse auf Gran Canaria. Auf dem Laurel kann man selten einen parasitären Pilz beobachten.

Lauribasidium lauri auf dem Kanarenlorbeer bildet einen Ring um den Stamm. Gefunden bei einer Wanderung bei Osorio.

Laurobasidium lauri auf dem Kanarenlorbeer bildet einen Ring um den Stamm. Gefunden bei einer Wanderung bei Osorio.

Offenbar hielt man diesen Pilz für Luftwurzeln des Kanaren Lorbeer und 1896 wurden einige Publikationen (ab 1974) zusammengefasst und man wusste, daß es sich nicht um Luftwurzeln sondern um einen parasitären Pilz handelte, der den Kanaren Lorbeer befällt. Damals wurde beschrieben, daß es sich um seltene Auswüchse handelt, die unregelmäßig um den Baum in unterschiedlicher Höhe wachsen. Sie beginnen häufig an Ast oder Stammverletzungen und besonders an sehr feuchten Standorten des Kanaren Lorbeer.

Man sieht , daß der Lorbeerbaum sehr intensiv befallen ist und die Rinde stark angeschwollen ist.

Man sieht , daß der Lorbeerbaum sehr intensiv befallen ist und die Rinde stark angeschwollen ist.

Der Pilz entwickelt sich gelblich von Anfang Herbst bis in den Sommer hinein. Gen Sommer verfäbt sich der Pilz braun, schrumpft und fällt schließlich ab. Die Auswüchse sind “geweihähnlich” verästelt, haben Längswülste und sind ca 8-19cm lang. Dabei schwillt die Rinde des Kanaren Lorbeer sichtbar an und man gewinnt den Eindruck, daß es sich um eine für den Baum sehr “ungesunde” Entwicklung handelt. Der Laurobasidium soll auch für charakteristische Gallenbildungen auf den Blättern des Kanaren Lorbeer verantwortlich sein. Auf der spanischen Halbinsel befällt er Laurus nobilis.

Lauribasidium lauri in der Ausbreitung. Auch hier scheint die Rinde schon etwas gehoben.

Laurobasidium lauri in der Ausbreitung. Auch hier scheint die Rinde schon etwas gehoben.

Laurobasidium lauri aus der Familie der Exobasidiaceae gehört zur Klasse der Exobasidiomycetes, die in die Abteilung der Basidiomycetes eingeordnet werden. Viele Vertreter der  Exobasidiomycetes leben parasitisch auf Blütenpflanzen.

Diesen Artikel/Seite: Druckenzu den FavoritenVersendenKommentierenVerlinken