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Drei Orchideen-Arten auf Gran Canaria. Entdeckt auf einer Wanderung.

- Von Roland - in: Orchidaceae (Orchideengewächse)

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Wer hätte das erwartet ! Orchideen auf Gran Canaria. Auf drei Wanderungen im zentralen Norden der Insel Gran Canaria entdeckten wir durch Zufall drei Erdorchideen-Arten an drei sehr unterschiedlichen Standorten. In der Fachliteratur der Nationalbibliothek von Las Palmas auf Gran Canaria erhielt ich schließlich den Hinweis, daß es auf Gran Canaria drei Erdorchideen-Arten gibt und meine drei gefundenen Arten waren schnell bestimmt. Darüberhinaus war ich sehr erfreut, daß ich ausgerechnet eine der seltensten Orchideenarten wie durch einen Zufall entdeckte. Diese unscheinbare Pflanze erinnerte mich nicht im geringsten an eine Orchidee. Weder die Blüten noch der Habitus. Erst in der Bibliothek erinnerte ich mich an eine ähnliche Pflanze, die ich mit nur einem Foto dokumentiert hatte und es stellte sich heraus, daß es eben diese seltene Art war.

Diese sehr seltene Orchidee Gran Canarias haben wir durch Zufall auf einer unserer Wanderungen entdeckt und fotografiert. Obwohl ich gewöhnlicherweise Orchideen sofort erkenne, habe ich diese nicht als Orchidee erkannt.

Diese sehr seltene Orchidee Gran Canarias haben wir durch Zufall auf einer unserer Wanderungen entdeckt und fotografiert. Obwohl ich gewöhnlicherweise Orchideen sofort erkenne, habe ich diese nicht als Orchidee erkannt.

Gennaria diphylla auf Gran Canaria. Jetzt nachdem die meisten Blüten abgeblüht sind, sieht bereits die Bildung der Samenkapseln.

Gennaria diphylla auf Gran Canaria. Jetzt nachdem die meisten Blüten abgeblüht sind, sieht man bereits die Bildung der Samenkapseln.

Vorweg etwas zu Orchideen im allgemeinen. Die Familie der Orchideen (Orchideengewächse oder Orchidaceae) gehört zu den spargelartigen Gewächsen (Asparagales), zu dem ja auch unser Spargel gehört, den wir mit Schinken und Senfsoße essen. Ja das klingt merkwürdig aber die botanische Systematik ist manchmal unterhaltsam und wir Menschen gehören ja auch, systematisch betrachtet, zu den Säugetieren in der Unterordnung der Trockennasenaffen.

Die Spargelartigen (Asparagales) haben 15 Familien und eine der artenreichsten Familien sind die Orchideen. Man schätzt, daß es weltweit ca 35000 verschiedene Orchideenarten gibt. Demgegenüber steht die Hypothese, daß sich etwa 1000 Gattungen mit maximal 30000 Arten letztendlich wissenschaftlich halten läßt. Sicherlich sind die Blüten das reizvollste an der Familie der Orchideen. Für mich persönlich sind aber die besonderen Wuchsformen, die meist epiphytische Lebensweise, der Habitus und die bizarren Luftwurzeln das eigentlich reizvolle. Wenn man in Deutschland getopfte Orchideen kauft wird man über die eigentliche und natürliche Wuchsakrobatik hinweggetäuscht. Orchideen entfalten Ihren natürlichen Habitus und Ihren besonderen Reiz erst wenn sie wie in der Natur auch auf Rinde wachsen. Man nennt das unter den Orchideenliebhabern “Aufbinden”. Das heißt, die Orchidee wird auf ein Korkrindenstück mit einem Blumendraht oder einer Schnur aufgebunden und lebt von dem Sprühwasser, welches man, manchmal mit etwas Dünger versetzt, über die aufgebundenen Orchideen versprüht.

Blüte von Gennaria diphylla auf Gran Canaria

Blüte von Gennaria diphylla auf Gran Canaria. Ende Januar Anfang Februar.

Orchideen können sehr, sehr, sehr alt werden und wachsen epiphytisch auf anderen Pflanzen oder terrestrisch auf der Erde. Daneben gibt es noch die lithophytisch auf Felsen oder Steinen wachsenden Arten. Jedoch niemals parasitär bzw. schmarotzend.

Die meisten Orchideen wachsen auf Bäumen und dort herrscht Nährstoffmangel und zeitweise auch Wassermangel. Eine physiologische Besonderheit, welche ich schon während meines Biologiestudiums in den ersten Semestern gelernt habe, ist der CAM-Mechanismus. Das ist der Crassulaceen-Säure-Stoffwechsel. Das bedeutet, daß die Orchidee das Kohlenstoffdioxid in der Nacht über die geöffneten Spaltöffnungen aufnimmt, umwandelt, speichert und dann tagsüber wieder in den Photosyntheseprozeß (Calvin-Zyklus) einführt. So bleiben die Spaltöffnungen am heißen Tag geschlossen und die Orchidee verliert kein Wasser. Pflanzen, die diesen CAM Stoffwechsel nicht besitzen, müssen Ihre Spaltöffnungen tagsüber öffnen und verlieren Wasser. Entdeckt wurde dieser Stoffwechsel bei den Dickblattgewächsen (Crassulaceae). Auf Gran Canaria gibt es eine große Zahl von Dickblattgewächsen. Es gibt praktisch keine Wanderung auf Gran Canaria ohne einige Vertreter der Crassulaceen zu entdecken.

Eine weitere Besonderheit ist das Zusammenleben mit einer Mykorrhiza (Pilze), welche sowohl für das Keimen der Samen als auch für die Wurzel (hier nicht obligatorisch) notwendig ist. Jede Orchidee bildet einige 100.000 bis mehrere Millionen von mikroskopisch kleinen Samen pro Samenkapsel, welche mit dem Wind wie Staub verwehen und dann mit Hilfe des richtigen Pilz zur Keimung kommen. Der Samen hat kein Nährgewebe und ist deshalb auf eine Symbiose mit Pilzfäden angewiesen. Der Orchideen Keimling erhält seine Nährstoffe über die Pilzfäden oder Pilzexkrete. Ohne Pilz keine Samenkeimung und Entwicklung.

Auf Gran Canaria gibt es drei Erdorchideen-Arten:

  • Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde)
  • Gennaria diphylla (Zweiblättriger Grünstendel oder Dos Hojas)
  • Orchis canariensis (Kanaren Knabenkraut, Orchidea del Campo).
Eine Gruppe von Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde) auf Gran Canaria. Diese Orchidee wächst auf feuchtem und felsigen bzw. steinigem Untergrund und blüht bereits im Januar, noch bevor der Klee alles überwuchert.

Eine Gruppe von Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde) auf Gran Canaria. Diese Orchidee wächst auf feuchtem und felsigen bzw. steinigem Untergrund und blüht bereits im Januar, noch bevor der Klee alles überwuchert.

Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde)
Diese Orchidee wächst auf feuchtem und felsigen bzw. steinigem Untergrund und blüht bereits im Januar, noch bevor der Klee alles überwuchert. Später kann man die Orchidee auf Gran Canaria unter dem Klee kaum noch entdecken. Die Pflanze hat am Grund zwei lanzettförmige oder lanzettförmig-eiförmige Blätter. Der Blütenstand richtet sich nur in eine Richtung aus, meist in Richtung Hang abwärts, so daß die duftend, grünen Blüten von den Bestäubern besser wahrgenommen werden können. Die oberen Blütenblätter neigen sich zusammen. Die Lippe ist bis zu 10mm lang und in drei Lappen geteilt. Der Blütensporn zeigt nach unten und kann bis zu 14mm lang werden. Die Gattung Habenaria umfasst über 600 meist terrestrische Arten, welche hauptsächlich in den Tropen vorkommen. Sehr bekannt unter Liebhabern ist Habenaria radiata mit Ihren exotisch weißen Blüten.

Blüte von Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde). Gefunden auf einer Wanderung auf Gran Canaria.

Blüte von Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde). Gefunden auf einer Wanderung auf Gran Canaria.

Gennaria diphylla (Zweiblättriger Grünstendel oder Dos Hojas)
Diese sehr seltene Orchidee Gran Canarias haben wir durch Zufall auf einer unserer Wanderungen entdeckt und fotografiert. Obwohl ich gewöhnlicherweise Orchideen sofort erkenne, habe ich diese nicht als Orchidee erkannt. Wenn man den Pflanzenhabitus kennt ist die Orchidee sehr leicht wiederzuerkennen, weil sie meist am Rande von Lorbeerwaldlichtungen wächst. Gennaria diphylla kommt auch im Mittelmeergebiet und auf Sardinien, Korsika und Madeira vor. Die Gattung Gennaria hat nur diese eine Art Gennaria diphylla. Die Erdorchidee Gennaria diphylla auf Gran Canaria hat zwei wechselständige, herzförmige, den Stengel umfassende Blätter. Der Blütenstand ist eine Richtung gewendet und hat unscheinbare und gelbgrüne Blüten mit einem sackförmigen Sporn und zusammengeneigten Hüllblättern. Die dreilappige Lippe hat einen Mittelllappen, welcher etwas größer ist und in etwa dreieckig erscheint. Gennaria diphylla kann sich auch vegetativ vermehren, indem sie über unterirdische Triebe neue Knollen bildet. Ab Januar kann man diese Orchidee auf Gran Canaria blühen sehen. Ab Februar sieht man weniger Blüten, dafür bilden sich bereits Samenkapseln aus. Obwohl Gennaria diphylla oft an sehr feuchten Standorten wächst, kann man sie auch auf trockeneren Böden antreffen. An diesen trockenen Standorten auf Gran Canaria blüht sie sehr schnell im Januar und zieht sich ab Mai spätestens wieder in die Knolle zurück.

Der Name dieser Orchidee kommt von einem italienischen Namen. Was ich herausfinden konnte ist, daß es sich entweder um den italienischen Botaniker Patrizio Gennari oder um den italienischen Maler Benedetto Gennari handelt. Wer hierzu etwas weiß, der schreibe bitte unten eine Kommentar. Vielen Dank.

Einzelne Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde) auf Gran Canaria

Einzelne Habenaria tridactylites (Kanarenstendel oder Orquidea Verde) auf Gran Canaria

Orchis canariensis (Kanaren Knabenkraut, Orchidea del Campo).

Orchis canariensis (Kanaren Knabenkraut, Orchidea del Campo) auf Gran Canaria.

Orchis canariensis (Kanaren Knabenkraut, Orchidea del Campo) auf Gran Canaria. In Kürze folgen bessere Blütenaufnahmen.

Gestern beim Wandern am 20. Februar 2010 haben wir Sie endlich gefunden, die dritte und letzte der drei Orchideenarten, die es auf Gran Canaria gibt.  Die Grundblätter sind lanzettlich. Die Blüten vom kanarischen Knabenkraut sind fast violett und etwas auffälliger. Im Sonnenlicht erscheinen Sie weiß. Am Fundort im Halbschatten erkennt man jedoch die blaßviolette Farbe. Unsere Pflanze links im Bild hat 16 dichtstehende Blüten. In Kürze werde ich gute Blütenaufnahmen hier einstellen. Diese Orchidee findet man an feuchten Standorten im Wald meist an felsigen Hängen. Durch Zufall habe ich die Pflanze beim Wandern entdeckt als ich kurz meinen Rucksack abgenommen hatte um meine Jacke einzupacken und der Blick ein wenig vom Weg nach rechts auf den Hang abschweifte. Orchis Canariensis ist die letzte, die Ihre Blüten auf Gran Canaria öffnet. Zuerst im Januar/Februar öffnet Habenaria tridactylites seine Blüten. Fast zeitgleich im Januar/Februar öffnet Gennaria diphylla seine Blüten und jetzt Ende Februar Orchis Canariensis. Das ist alles vom Mikro-Klima und der Temperatur des Standortes abhängig und variiert natürlich.

Orchis canariensis (Kanaren Knabenkraut, Orchidea del Campo) gefunden beim Wandern auf Gran Canaria

Orchis canariensis (Kanaren Knabenkraut, Orchidea del Campo) gefunden beim Wandern auf Gran Canaria. Danke Christine für das wesentlich bessere Foto.

Standort von Orchis Canariensis auf Gran Canaria. Entdeckt auf einer Wanderung. Fundort aus Artenschutz nicht angegeben.

Standort von Orchis Canariensis auf Gran Canaria. Entdeckt auf einer Wanderung. Fundort aus Artenschutz nicht angegeben.


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