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Traditionelle Kaninchenjagd

Podenco Canario. Jagdhunde auf Gran Canaria.

Auf Gran Canaria gibt es einen windhundähnlichen Jagdhund, der als eigenständische Rasse geführt wird. Zur Jagdsaison sind die Jäger mit zum Teil über 10 Hunden auf Kaninchenjagd. - Von Roland - in: Canidae (Hunde)

Auf unseren Wanderungen auf Gran Canaria trifft man sehr häufig auf streunende Podenco Canario, das ist eine eigenständige Hunderasse der kanarischen Inseln mit einem ungeheuren Jadgtemperament. Es kann auch schon mal vorkommen, daß man einer Meute von Hunden gegenübersteht. Das ist mir einmal beim Joggen passiert in einem Barranco an der Küste bei San Andres, dort wo die Jäger an bestimmten Tagen Ihre Hunde trainieren. Als ich die Hunde ca 6m vor mir sah, blieb ich stehen und wartete ab. Zunächst wagten sich zwei ein paar Schritte in meine Richtung vor und streckten mir analytisch Ihre Nasen entgegen. Ein Zurück gab es nicht mehr und ich kannte diese Hunderasse nicht.

Jäger mit Podenco Canario

Fahrzeug mit Hundeanhänger für die Jagd mit Podenco Canarios auf Gran Canaria. © Foto von Roland Weimer

Also bekam ich die Idee voranzuschreiten und zwar kräftig und schnell. Kaum hatte ich mich in Richtung Hundemeute bewegt, sprangen die Podencos in alle Richtungen auseinander und zwar blitzschnell. Immer wieder begegne ich dem Podenco auf unseren Wanderungen und jetzt muß ich sagen, eine Gefahr geht von diesen Hunden nicht aus. Sie sind völlig ohne Aggression, eher etwas ängstlich dem Menschen gegenüber. Als Wanderer und Jogger habe ich immer Respekt vor Hunden aber dem Podenco kann man ohne Angst begegnen. Meine Erfahrung zeigt das.

Podenco canario, eine eigenständige windhundähnliche Jagdhundrasse auf Gran Canaria

Podenco Canario, eine eigenständige windhundähnliche Jagdhundrasse auf Gran Canaria. © Foto von Roland Weimer

Was ich bei meiner ersten Begegnung nicht ahnen konnte ist, daß die Hunde aggressionslos sind und den Besitzer bedingungslos akzeptieren.

Podenco Canario im Anhänger

Podenco Canarios im Anhänger. © Foto von Roland Weimer

Der Podenco Canario gehört zu den windhundähnlichen, mediterranen Jagdhunden. Der Kelb tal Fenek (Pharaonenhunde) von Malta und die Podencos vom spanischen Festland und den Balearen sind dem Podenco Canario ähnlich. Möglicherweise hat der Podenco eine altägyptische Herkunft, auch eine Herkunft von Pariahunden Afrikas wird diskutiert. Nach jüngeren DNA-Analysen ist dies eher unwahrscheinlich, siehe u.a. http://research.nhgri.nih.gov/dog_genome/

Auf der Homepage von Jan Scotland http://www.kelb-tal-fenek.de/podcan/ können Sie sich über den Rassestandard und vieles mehr informieren.

Besonders interessant sind die Pfoten des Podenco Canario: Die langen und flexiblen Zehen sind weit abgespreizt. Das ist ein typisches Merkmal der Rasse. Damit können sich die Hunde perfekt auf dem lockeren und scharfkantigen Lavageröll der Inseln bewegen. Die Hunde haben praktisch kein Unterhautfettgewebe und wirken immer etwas mager. Wenn man weiß, daß dies zum windhundähnlichen Habitus dazugehört, wirkt es eher elegant. Man sieht jeden Muskel und die Hunde haben eine besondere Art zu laufen, die leicht und mühelos erscheint und gleichzeitig sehr schnell und beweglich.

Podenco Canarios im Anhänger

Podenco Canarios im Anhänger. © Foto von Roland Weimer

Wie oben beschrieben sind die Jäger auf Gran Canaria mit manchmal über 10 Hunden auf der Kaninchenjagd. Der Podenco Canario ist schnell und jagt mit allen Sinnen, Sicht, Gehör und Nase, welche bestens ausgebildet sind. Häufig kommt noch ein Frettchen bei der Jagd zum Einsatz, das in den Kaninchenbau entlassen wird, nachdem der Podenco Canario ein Kaninchen aufgespürt hat. Kommen die Kaninchen raus, werden sie von den Hunden gefasst oder vom Jäger mit Schrot geschossen. (Der Bleischrot ist ein Problem für Schmutzgeier siehe auch >>>). Die Kaninchen spürt er mit Hilfe des Geruch und Gehörsinnes tief im Boden auf. Dabei bellt er selten und zeigt sich sehr diszipliniert.  Hitze erträgt er bestens und kann unermüdlich jagen. Das jedoch nur zur Jagdzeit auf Gran Canaria.

Streunender Podenco canario auf Gran Canaria. Beim Wandern trifft man häufig auf diese Hunde, von denen keine Gefahr ausgeht.

Streunender Podenco Canario auf Gran Canaria. Beim Wandern trifft man häufig auf diese Hunde, von denen keine Gefahr ausgeht. © Foto von Roland Weimer

Warum streunen soviele Podenco Canario herum ? Viele verirren sich oder entfernen sich zu weit und müssen zurückgelassen werden. Wer einmal so wie ich beobachten konnte, wie schwierig es für den Jäger ist 10 Hunde im freien Feld wieder zurück in seinen Hundeanhänger zu bekommen, kann sich das vorstellen. Die Hunde sind so abgelenkt von allem was sich bewegt, Geräusche macht oder riecht, daß man rufen kann und kaum eine Reaktion bekommt. Das Einsammeln der Hunde kann Stunden dauern. Wenn Sie wissen wollen wie das Schicksal eines zurückgelassenen Podenco aussieht, dann lesen Sie hier weiter>>>

Der Podenco Canario ist ein sehr temperamentvoller Jagdhund. Er ist als Haushund geeignet, seine Erziehung erfordert aber Geduld und Fachkenntnis, und wie jeder Wind- und Jagdhund benötig er viel Bewegung. Andererseits macht er sich im Haus kaum bemerkbar, wenn er eben diese Bewegung bekommt und gut ausgelastet ist. Verschiedene Tierschutzorganisationen vermitteln sogar Podencos von den Kanarischen Inseln nach Deutschland, Adressen siehe http://www.kelb-tal-fenek.de/podcan/pclinks.htm.

Podenco Canario

Podenco Canario. © Foto von Roland Weimer

Der Podenco Canario hat einen ausgeprägten Jagdtrieb, ist aber durchaus intelligent. So lernt er schnell, dass Vögel (einschließlich Enten) davonfliegen, was die Erfolgsaussichten sehr reduziert. Als Rudelhund hat er außerdem ein gutes Sozialverhalten gegenüber Artgenossen; Aggressionen gegen andere Hunde (auch kleine Exemplare wie Chihuahuas) sind daher untypisch. Er braucht aber richtig Aktion und muß dementsprechend trainiert werden, sonst könnte es wohl Probleme geben beim Spaziergang im englischen Garten. Kaum sind sie im Freien zeigen Sie Ihren Jagdtrieb. Das ist das wichtigste Zuchtkriterium der kanarischen Züchter auf Gran Canaria. Scherzhaft gesagt könnte sich die Gefriertruhe sonst schnell mit Kaninchen füllen.

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Jan Scotland

Hallo Herr Weimer,

auf den Fotos sieht die Hündin schon wie ein Podenco Canario aus. Wegen des
relativ kräftigen Kopfes und der nicht korrekt stehenden Ohren hätte sie auf
einer Hundeausstellung hierzulande wahrscheinlich wenig Chancen, aber die
kanarischen Jäger züchten ja nicht für Ausstellungen oder um den (im Übrigen
erst 1987 erstellten) Rassestandard zu erfüllen, sondern für die jagdliche
Verwendung. Ob der eher kräftige Kopf und die “unkorrekten” Ohren auf die
Einkreuzung einer anderen Rasse hindeuten oder ob sich dies eben einfach
ergeben hat, wird man kaum noch feststellen können. Die fleischfarbene Nase,
Augen und Ohreninnenseiten deuten nicht darauf hin, denn eines der Merkmale
des Podenco Canario ist eben das Fehlen schwarzer Pigmentierung.

Um etwas über die anderen Jagdhunde sagen zu können, müsste ich Fotos
sehen – auf Teneriffa habe ich öfter brackenartige Hunde gesehen, bei denen
nicht wirklich feststellbar war, ob dies ein autochthoner Hundetyp ist, oder
ob es sich um das Ergebnis diverser Importe vom Festland handelt. Auf Malta
(wo ich häufiger bin und mich in der Hundepopulation etwas besser auskenne
als auf den Kanaren) ist es z.B. so, dass man für die Vogeljagd immer wieder
kontinentaleuropäische Jagdhunde wie z.B. Deutsch Kurzhaar importiert und
diese ziemlich beliebig kreuzt, während man beim einheimischen Kelb
tal-Fenek (dem dortigen Kaninchenjagdhund, der dem Podenco Canario in
Erscheinungsbild und Verwendung sehr nahekommt) doch mehr oder weniger
darauf achtet, dass der Rassetyp erhalten bleibt – nicht zuletzt wohl
deshalb, weil diese Hunde den Anforderungen so gut angepasst sind, dass sie
bei Kreuzungen mit anderen Rassen eher an jagdlicher Qualität verlieren.

Vielleicht kann Ihnen der Jagdverband (Federacion de Caza) von Gran Canaria
nähere Informationen darüber geben, welche Jagdhundarten neben dem Podenco
Canario auf der Insel verwendet werden. Eine Übersicht über die offiziell
anerkannten Hunderassen Spaniens finden Sie außerdem auf der Seite des
spanischen Zuchtverbandes http://www.rsce.es unter dem Menüpunkt “Razas Españolas”.

Grüße