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Aussergewöhnlicher Lebenszyklus

Ölkäfer auf Gran Canaria. Aphrodisiakum und Trittbrettflieger.

- Von Roland - in: Allgemein, Coleoptera (Käfer)

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Der beim Wandern häufig angetroffene Ölkäfer Meloe tuccius tuccius gehört zur Gattung Meloe in der Familie der Ölkäfer Meloidae. In der Gattung sind bis jetzt 23 Arten bekannt. Die Deckflügel dieser Gattung sind alle stark verkürzt und Hinterflügel fehlen. Der Käfer kann nicht fliegen. Sein aussergewöhnlicher Lebenszyklus und seine Verteidigungsmethode sind besonders erwähnenswert.

Ein schönes Exemplar von Meloe Tuccius, gefunden bei einer Wanderung auf Gran Canaria bei Tenteniguada. Es handelt sich um Adultstadium.

Ein schönes Exemplar von Meloe Tuccius, gefunden bei einer Wanderung auf Gran Canaria bei Tenteniguada. Es handelt sich wahrscheinlich um ein adultes Weibchen.

Systematik:

  • Klasse:        Insecta (Insekten)
  • Ordnung:   Coleoptera (Käfer)
  • Familie:      Meloidae (Ölkäfer)
  • Gattung:     Meloe (Ölkäfer)
  • Art:              Meloe tuccius tuccius (Linnaeus 1758)
Dieser Ölkäfer, gefunden oberhalb des Barranco de los Cernicalos auf Gran Canaria, wurde ein wenig geärgert und man sieht wie er zur Verteidigung etwas Hämolymphe aus den Gelenken der Vorderbeine ausgepresst hat.

Dieser Ölkäfer, gefunden oberhalb des Barranco de los Cernicalos auf Gran Canaria, wurde ein wenig geärgert und man sieht wie er zur Verteidigung etwas Hämolymphe aus den Gelenken der Vorderbeine ausgepresst hat.

Den Namen Ölkäfer, auch namensgebend für die Familie, hat er durch eine besondere Verteidigungsstrategie. Im offenen Kreislauf verteilt sich bei Insekten die sogenannte Hämolymphe. In der Hämolymphe findet man beim Ölkäfer Cantharidin, ein Abwehrstoff, der gegen andere Insekten schützen soll. Wird der Käfer gestört, so wie Sie das im Bild links sehen können, treibt er etwas Hämolymphe an den Gelenken der Vorderbeine aus. Diese gelben Tröpfchen sehen aus wie Öl. Daher der Name Ölkäfer. In der Biologie spricht man auch vom Reflexbluten. Viele andere Käfer verteidigen sich auf die gleiche Art und Weise. Dabei spielen giftige Abwehrstoffe und geruchgebende, abschreckende Stoffe die Hauptrolle. Das Cantharidin in unserem Ölkäfer aus Tenteniguada ist ein zu den Terpenoiden gehörendes Reizgift und war ursprünglich im Aphrodisiakum Spanische Fliege enthalten. Heute ist in den Präparaten Spanische Fliege aus gesundheitlichen und gesetzlichen Gründen kaum noch Cantharidin enthalten. Fassen Sie den Käfer nicht an und bringen Sie nichts vom “gelben Öl” in die Augen.

Meloe tuccius tuccius ist sehr weit verbreitet in Makaronesien und auf den kanarischen Inseln, die zu diesem Archipel gehören. Weiterhin findet man Meloe tuccius tuccius auf dem spanischen Festland, in Südeuropa, von Marokko bis nach Nordafrika, in Ägypten, im Iran,im Kaukasus, in Zentralasien, in Afghanistan und in China.

Der Ölkäfer hat einen aussergewöhnlichen Lebenszyklus. Unser Meloe tuccius tuccius ist offenbar auf Heuschrecken als Wirt angewiesen.

Hier noch einmal die Hämolymphe an den Vorderbeinen.

Hier noch einmal die Hämolymphe an den Vorderbeinen, welche wie gelbes Öl aussieht. Die Hämolymphe enthält das giftige Terpenoid Cantharidin, welches auch in dem Aphrodisiakum Spanische Fliege enthalten sein sollte.

Von einer anderen Art dem Meloe proscarabaeus ist der Lebenszyklus gut erforscht. Die Weibchen von Meloe proscarabaeus legen eine große Zahl von Eiern im Frühjahr auf dem Boden oder an Blütenpflanzentrieben ab. Es können einige Tausend Eier sein, die in getrennten Gelegen abgelegt werden. Daraus schlüpfen sehr schnell kleine Larven, die auf  die Blüten der Pflanzen klettern und dort auf Ihren Transportwirt warten (Phoresie). Mittels speziell geformter Klauen klammern sich die Larven wie Trittbrettflieger an Bienen, die diese dann mit in den Bienenstock nehmen. Dort fressen die Larven zuerst ein Ei und ernähren sich dann weiter vom Honig und den Pollenreserven der Bienen. Sie kriechen von Wabe zu Wabe und entwickeln sich über Häutungen zu einem Stadium, das durch reduzierte Beine und einen sehr weichen Körper gekennzeichnet ist. In diesem Stadium verlassen sie den Bienenstock, häuten sich und verpuppen sich. Dann schlüpft der geschlechtsreife Käfer. Die adulten Käfer ernähren sich von Blüten.

Welchen Lebenszyklus unser Ölkäfer Meloe tuccius tuccius hat, konnte ich bis jetzt nicht herausfinden. Als Wirt werden Heuschrecken angenommen. Wer darüber etwas weiß schreibe bitte einen Kommentar unten. Vielen Dank.

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