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Rettet deutscher Discounter 80.000 kanarische Familien ? Lidl hat eröffnet.

- Von Roland - in: News

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Die Schlacht an der Lidl Kasse. Wer es geschafft hatte ins Geschäft zu kommen, der wurde an der Kasse schnell und professionell weitergeleitet. Eine gute Leistung.

Die Schlacht an der Lidl Kasse. Wer es geschafft hatte ins Geschäft zu kommen, der wurde an der Kasse schnell und professionell weitergeleitet. Eine gute Leistung.

Das was sich am 25.02.2010 bei Jinamar auf Gran Canaria abgespielt hat, kann man nicht beschreiben, man hätte es erleben müssen. Ich wusste an diesem Morgen, ein spanischer Lidl eröffnet heute und ich dachte nach der Wanderung werde ich mal sehen ob ich dort am Abend etwas einkaufen kann. Vielleicht Magerquark und Gofio oder etwas Leberkäse mit mittelscharfem Senf ? Schon auf der Autobahn sah ich, daß sich eine lange Autoschlange bis zum ersten Kreisverkehr in der Nähe vom Lidl aufbaute, die ich zunächst nicht mit Lidl in Verbindung brachte. Aufgrund der Dimension des Ereignisses dachte ich zuerst, daß ein auferstandener Michael Jackson und Luciano Pavarotti zusammen ein Gratis Konzert auf dem Lidl Parkplatz geben. Erst nach einigen hundert Metern erkannte ich an den zugeparkten Strassenrändern, daß es hier um Lidl ging.  Darüberhinaus, je näher ich mich vorarbeitete desto deutlicher wurde es. Auf Gran Canaria gab es womöglich keine preisgünstigen Lebensmittel mehr und nur bei Lidl konnte man noch etwas einkaufen. Die monatelange Werbung hatte es ja angekündigt. Der kanarische Warenkorb, als einer der teuersten Spaniens, wird preiswerter. Wieviel spanische Familien sind auf einen Discounter-Einkauf angewiesen ? Sind es 80.000 ? Lesen Sie hier weiter.

Autos, Autos, Autos, Kunden, Kunden, Kunden...

Autos, Autos, Autos, Kunden, Kunden, Kunden...

Ich stellte mein Fahrzeug kurz ins Parkverbot, was ich sonst niemals tun würde, und näherte mich zu Fuß dem marktwirtschaftlichen Ereignis.

Was ich dann sah, läßt das Herz eines jeden Kaufmann höher schlagen. Es gab so viele Käufer, daß eine Security Mannschaft dafür Sorge tragen musste, daß nicht zu viele Kunden auf einmal die 1200 qm großen Lidl-Verkaufshalle stürmten. Bisher kannte ich das nur vom Oktoberfest.

Nun es war schon immer so. Im Einkauf liegt der Erfolg und wer es nicht schafft günstig beim Hersteller einzukaufen, muß beim Großhändler kaufen und das geht nicht, weil die Großhändler sich nicht mehr an die Regeln halten, so wie es einmal vor vielen Jahren (1980) war. Was bedeutet das ? Ganz einfach: Pleite, Konkurs, Dahinvegetieren oder eben gut einkaufen.

Zwei Sicherheitskräfte sorgten dafür, daß es keine Überfüllung im Lidl gab. Dafür bildete sich aber eine lange Schlange am Eingang.

Zwei Sicherheitskräfte sorgten dafür, daß es keine Überfüllung im Lidl gab. Dafür bildete sich aber eine lange Schlange am Eingang.

Ein Discounter wie Lidl beherrscht den Einkauf. Was nicht heißt nur die Großen könnten das. Nein durch die Globalisierung ist es dem “Kleinen” möglich beim Hersteller in Europa, China oder Indien einzukaufen und zwar zu sehr günstigen Preisen. So günstige Preise, daß auch mal ein Container daneben gehen darf. Das ist in der Kalkulation drin. Natürlich nicht der erste Container. Aber wer Angst vor dem einmaligen Irrtum hat, der darf nicht einmal Koch werden. Dafür allerdings braucht man ein wenig Kapital und das haben wiederum nur die, die es eben haben. Natürlich braucht man auch ein wenig Erfahrung, viel Quellenforschung und Marktforschung inclusive Mitbewerberanalysen um das “Gespür” für ein gutes Produkt zu haben. Aber auch das bekommt man im Laufe der Zeit. Mit einer Einschränkung, ein Lidl kauft nicht nur gut ein, er bestimmt auch die Preise selbst beim Hersteller.

Liebe geht durch den Magen.

Liebe geht durch den Magen. Wer weiß vielleicht wird Lidl zum Liebling der Kanaren.

Herzlichen Glückwunsch, daß Lidl es endlich geschafft hat, nach 7 Jahren Prozessführung auf Gran Canaria zu eröffnen. 7 Jahre Angst hatten die Mitbewerber auf dem kanarischen Markt, daß das Einkaufsgenie Lidl den Fuß in die Tür bekommt und prompt wurde es wahr, die Angst war berechtigt. Guter Einkauf, gutes Marketing, gute Organisation und vom ersten Tag an erfolgreich.

Man sagt auch die Konkurrenz belebt das Geschäft aber das wichtigste an zunehmender Konkurrenz ist, daß das Geld wieder fließt und vor allem neu verteilt wird. Eines der wichtigsten Kriterien in Zeiten extrem hoher Arbeitslosigkeit, ich sage besser Beschäftigungslosigkeit, weil man alle Beschäftigungslosen einbeziehen muß und nicht nur diejenigen, die in der offiziellen Arbeitslosenstatistik aufgeführt sind. Allein in Telde sind 65 Lidl-Arbeitsplätze entstanden. Schon Humboldt postulierte, Arbeit ist für das soziale Wesen Mensch so wichtig wie Brot und Wasser.

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Roland

Testkauf bei Lidl
Ich habe es geschafft auf der Rückfahrt ein paar Tage später beim Lidl einen Parlplatz zu bekommen und einzukaufen. Immer noch das gleiche Bild. Autos, Menschenmassen, Kunden. Haben gute Marketingstrategen alles ausgereizt was geht oder sind die Spanier nur so neugierig. Das artet langsam in einen Lidl-Rausch aus. Also gehe ich hinein ein paar Sachen einkaufen. Vier Kommentare von den Spaniern habe ich aufgeschnappt. Ich übersetze.
1. “Das kostet beim Hiperdino 7 Cent mehr, das lasse ich hier”. Die Ersparnis erschien Ihr wohl nicht groß genug ?
2. “Was für ein Ekel”. Das sagte ein Spanier vor den deutschen Würsten (Anmerkung: Eine einzelne aufgeschnappte Meinung ist nicht repräsentativ. Ich finde die Würste gut).
3. “Man könnte aber dann muß man beim Mercadona oder Alcampo Fisch und Fleisch einkaufen”. Spanier kaufen gerne an der Frischtheke Fisch und Fleisch.
4. “Das sind 1 Euro und etwas. Das ist gut”. (Eine Frau vor den Spülmitteln für die Küche)
Obwohl der Laden voll war, habe ich den Eindruck gewonnen, daß viele Spanier einfach nur mal probieren wollen, was der deutsche Lidl so hat. Ständig hörte ich Preisvergleiche. Mein Bauchgefühl sagte mir aber, es geht auch um die Diskussion gut oder billig. Ich selbst war sehr erfreut über den Speisequark, den es mit 20 % gab. Ich bevorzuge Magerquark. Ich hatte zusätzlich zwei günstige Weißbierdosen eingekauft und ein paar Bratwürste mit Rotkohl. Zum Weißbier gebe ich keinen Kommentar ab. Als Münchner ist man da voreingenommen. Darüberhinaus waren die Milchprodukte günstig und ich habe ein Stück Butter mitgenommen. Mehr konnte ich nicht einkaufen, weil ich an die Produkte nicht rangekommen bin und zusätzlich zwischen den Kunden die Auffüller Wägen herumschoben um die Regale wieder zu füllen. Die angestellten Auffüller waren von der Personalabteilung offenbar nach einer sehr kleinen Körpergröße und nach weiblichem Geschlecht selektiert. In dem Gedränge ist eine kleine Körpergröße allerdings von großem Vorteil. Das Security Personal dagegen machte einen gewaltigen Eindruck. Wollen wir mal sehen ob es so einfach für Lidl bleiben wird ? Ob das Geschäft so voll bleiben wird ? Ich freue mich immer über jeden Erfolg. Die Spanier sind tolle Kunden aber man muß das Meinungsruder rumreißen. Hier auf der Insel zählt die Propaganda von Mund zu Mund, der Lidl hat tolle Produkte und zu super Preisen. Zum anderen erlebt man auf Gran Canaria immer Vorkommnisse in den anderen Supermärkten, so wie ich diese in München nicht erlebt hatte. Es gibt regelmäßig Kampfangebote von Hiperdino, Alcampo, Spar etc. Einmal gab es ein Thunfisch-Dosen Angebot und ich habe ein spanisches Paar beobachtet, wie dieses das ganze Regal in den eigenen Warenkorb räumte. Die Dame hatte schon fast alle Dosen im Wagen aber um die letzten beiden, ganz hinten im Regal verbliebenen Dosen, noch zu erwischen, streckte Sie den Arm ganz aus. Das konnte ich auch schon bei Bierdosen und Tomatensoße beobachten. Es finden Hamsterkäufe statt, die seinesgleichen suchen. Demgegenüber steht ein anderes Verhalten. Wenn der Lohn gezahlt wurde oder ein Fest ansteht, sehen die Kanaren kaum noch auf den Preis, sondern greifen zu als hätten Sie Ihre Preis-Lesebrille zu Hause vergessen.