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Die Spinne mit dem weißen Gesicht. Zebraspinnen auf Gran Canaria.

- Von Roland - in: Arachnida (Spinnentiere)

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Die Zebraspinne oder auch Wespenspinne ist eine der größten und auffälligsten Spinnen auf Gran Canaria. Ihr Gattungsname Argiope (Argiope bruennichi) kommt aus dem Griechischen und heißt soviel wie “die mit dem weißen Gesicht”. Die Giftklauen können die menschliche Haut nicht durchbeißen. Nur an sehr dünnen Hautstellen. Deshalb ist diese für unsere Verhältnisse riesige Spinne für den Menschen nicht gefährlich. Das Gift ist nicht gefährlich und verursacht nur Schwellungen und Schmerzen, etwa wie ein Bienenstich.

Die Zebraspinne mit weißen Gesicht, Argiope bruennichi ist sehr auffällig und kaum übersehbar. Man sieht das typische ins Netz eingewebte Zickzackmuster, welches verschiedene Funktionen ausübt.

Die Zebraspinne mit dem weißen Gesicht, Argiope bruennichi ist sehr auffällig und kaum übersehbar. Man sieht das typische ins Netz eingewebte Zickzackmuster, welches verschiedene Funktionen ausübt. Dieses besonders große, weibliche Exemplar haben wir direkt im Vorgarten eines großen Hotel in Mogan auf Gran Canaria gefunden. Mogan ist einer der wärmsten Orte auf Gran Canaria.

Die Spinne hat noch weitere Namen erhalten, wie zum Beispiel Tigerspinne oder Seidenbandspinne und gehört zu der Familie der echten Radnetzspinnen und ist deshalb auch mit der Kreuzspinne verwandt. Die Zebraspinne befindet sich weltweit in der Ausbreitung und wurde im Jahre 2001 zur Spinne des Jahres gewählt. Man kann sie nun in den meisten europäischen Ländern finden und darüberhinaus in Asien, Nordafrika und auch auf den kanarischen Inseln. (4)

Systematik

  • Unterordnung: Araneomorphae (Echte Webspinnen)
  • Teilordnung: Entelegynae
  • Überfamilie: Araneoidea (Radnetzspinnen)
  • Familie: Araneidae (Echte Radnetzspinnen)
  • Gattung: Argiope
  • Art: Argiope bruennichi (Scopoli, 1772)
Das weiße Gesicht der Zebraspinne. Deshalb wurde der Zebraspinne der aus dem Altgriechischen abgeleitete Gattungsname Argiope gegeben.

Das weiße Gesicht der Zebraspinne. Deshalb wurde der Zebraspinne der aus dem Altgriechischen abgeleitete Gattungsname Argiope gegeben.

Die weibliche Zebraspinne kann bis zu 2,6cm lang werden. Der Hinterleib (Opisthosoma) ist gelb-weiß gestreift, beinahe wie eine Wespe oder ein Zebra oder ein Tiger. Daher die vielen deutschen Namen. Der Vorderleib (Prosoma) ist fein behaart und glänzt ein wenig silbrig. Die Männchen dagegen bleiben mit nur 7mm wesentlich kleiner und sind hellbraun mit dunkler Zeichnung. Die Zebraspinne ist sehr leicht zu bestimmen und nicht verwechselbar.

Die Zebraspinne liebt warme, sonnige und offene Stellen. Es müssen nur ausreichend Insekten wie zum Beispiel Heuschrecken vorhanden sein. Desweiteren nimmt sie auch gerne Fliegen, Libellen, Schmetterlinge, Bienen, Wespen und Käfer, generell alles was sie erbeuten kann. Die im sehr stabilen Netz gefangenen Insekten werden eingesponnen, mit einem Biss getötet und dann beginnt die extraintestinale Verdauung durch injiziertes Gift. Im Anschluß wird die Beute ausgesaugt. Zebraspinnen sind große Fresser, in der Biologie nennt man das eine große Vertilgungsrate. Eine Untersuchung in Deutschland hat 80kg Insekten pro Hektar ergeben, vertilgt nur durch die Zebraspinnen. (2)

Interessant ist der Netzbau der Zebraspinne. Das Netz wird innerhalb von einem Meter Bodenhöhe gebaut und hat ein sehr deutliches Zickzackband eingebunden. Meist ist es so wie in unserem Bild vertikal ausgerichtet, nach oben und nach unten. Das Zickzackband nennt man auch Stabiliment. Es gibt jedoch noch andere Formen von Stabilimenten, die von verschiedenen Faktoren abhängen. (1) Bei jüngeren Zebraspinnen kann man ein kreisförmiges Stabiliment finden. Bei älteren Spinnen oder nach der Fortpflanzung kann das Stabiliment auch fehlen. Da der Netzbau sehr viel Kraft kostet, bevorzugt die Zebraspinne ungestörte Regionen, also Wiesen, die  nicht genutzt werden. Mehrfaches Zerstören der Netze kann zum Tod oder Abwandern der Spinne führen. (1)

Es gibt einige Hypothesen über die Funktion der Stabilimente und des Musters.

  • Es soll stabilisierend gegen den Aufprall großer Insekten wirken. Also gegen eine Zerstörung des Netzes.
  • Die Zebraspinne hat eine Hinterleibszeichnung, die dem Zickzackband ähnlich ist und deshalb ergibt sich ein Tarneffekt gegenüber Fressfeinden.
  • Das Zickzackband soll wie eine Art Landebahn für Insekten wirken.

Ich füge noch eine weitere eigene Hypothese hinzu. Man darf nicht nur von heutigen Bedingungen ausgehen. Im Laufe der Evolution gab es sicher auch andere Bedingungen. Zum Beispiel ein besonderer Vogelreichtum. Im Evolutionszentrum der Zebraspinne gab es vielleicht einmal viele Kleinvögel ? Das kann dazu führen, daß öfters mal ein Netz zerstört wird, weil ein abgelenkter, nestbauender Kleinvogel durchs Netz fliegt. Passiert das alle zwei Tage ist es schon vorbei mit der friedlichen Existenz. Wird ein solches Zickzackband eingewoben, sieht der Vogel das Netz besser und fliegt ums Netz herum. Dafür spricht auch, daß die  Zickzackbänder gen Herbst weniger eingewoben werden. Im Herbst gibt es auch weniger unvorsichtige, nestbauende Vögel. Wir können uns das nicht mehr vorstellen, weil es nicht mehr so viele Vögel gibt. Aber als zum Beispiel die ersten Spanier die kanarischen Inseln betreten haben, beschrieben Sie ein Vogelgeschrei auf der ganzen Insel, so stark, daß man kaum schlafen konnte. Wo auf Gran Canaria findet man diese Situation heute noch vor. Diskutieren Sie mit ! Unten können Sie einen Kommentar schreiben.

Form und Aufbau des Stabilimentes hängt von weiteren Faktoren ab. (1)

  • Chemische Kontaminierung: Es werden weniger Stabilimente eingebaut.
  • Ältere Spinnen bauen weniger Stabilimente.
  • Männchen weben überwiegend vertikale Zickzackbänder ein.
  • Weibchen legen vertikale und kreisförmige Bänder an.
  • Ab September, Oktober werden mehr vertikale nach unten gerichtete Zickzackbänder von den Männchen eingebaut.

Darüberhinaus wird ein interessantes Verhalten beobachtet. Stört man die Spinne versetzt sie das Netz in Schwingung und erreicht dadurch einen gewissen Tarneffekt, weil der gestreifte Hinterleib mit dem Zickzackband durch die schnelle Hin und Herbewegung miteinander verschwimmt.

Auf Gran Canaria beginnt die Paarungszeit mit den höheren Temperaturen im April/Mai. Die Männchen suchen aktiv das Netz der viel größeren Weibchen auf. Es erfolgt die Kopulation indem das Männchen unter das passive Weibchen kriecht. Nach erfolgter Paarung wird in vielen Fällen das Männchen von den Weibchen gefressen. Ein solches Verhalten kennt man auch von der schwarzen Witwe. Das Männchen dient entweder als zusätzliche Nahrung für die Eientwicklung oder es soll sich nicht weiter mit anderen Weibchen paaren um die genetische Vielfalt zu vergößern. (7)

Kurze Zeit später werden die Eier in einem oder mehreren, runden Kokons abgelegt. Die schlüpfenden Jungspinnen überwintern in Deutschland im Kokon. Hier auf Gran Canaria ist z.B. bei Mogan keine Überwinterung nötig und die Jungspinnen entwickeln sich sofort weiter und spinnen kleine Radnetze. Der Kokon soll von der Zebraspinne einige Zeit bewacht werden.

Die Zebraspinne breitet sich als wärmeliebende Art immer weiter aus und ist eventuell ein Indikator für die Klimaerwärmung. Die kleinen Jungspinnen kriechen oft auf Pflanzen und lassen einen Spinnfaden austreten, der vom Wind aufgenommen werden kann und dann die Jungspinne mitnimmt. Dadurch verbreiten sich die Zebraspinnen schnell. (3) (6)

Wer sich weiter über die Zebraspinnen informieren will, kann sich die Homepage der Arachnologische Gesellschaft e.V. http://www.arages.de/ ansehen.

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Literaturangaben

(1) Arachnologische Mitteilungen, Diener, U. (2000), Beobachtungen zur Stabilimentvariabilität bei adulten Weibchen der Wespenspinne (Argiope bruennichi) im Kreis Siegen-Wittgenstein (NRW). Stabilimentum variability in the webs of adult female Argiope bruennichi, Heft 20, 56-57.

(2) Arachnologische Mitteilungen, Höser, N. (1992),Befunde zur Habitatpräferenz der Wespenspinne Argiope bruennichi. Report on the habitat preference of the wasp spider Argiope bruennichi. Heft 3, 54-56

(3) Arachnologische Mitteilungen, Sacher, P. (1992), Populationsdynamik und weitere Ausbreitung der Wespenspinne (Argiope bruennichi) in M-Europa, Heft 3, 69

(4) Arachnologische Mitteilungen, Hänggi, A. (2000), Spinne des Jahres 2001: Argiope breunnichi, Heft 20, 59

(5) Arachnologische Mitteilungen, Jäger, P. & M. Kreuels (2001), Spinne des Jahres 2000 und 2001 Argyroneta aquatica und Argiope bruennichi. Spider of the Year 2000 and 2001 Argyroneta aquatica and Argiope bruennichi. Heft 21, 65-70

(6) Arachnologische Mitteilungen, Sacher, P. (2001), Zur Arealerweiterung von Argiope bruennichi (Araneae: Araneidae) in Deutschland – wie genau sind unsere Daten?
Areal expansion of Argiope bruennichi (Araneae: Araneidae) in Germany. – Can we rely on earlier records? Heft 22, 29-36

(7) Arachnologische Mitteilungen, Jäger, P. & M. Kreuels (2002), Spinne des Jahres 2001 und 2002 Argiope bruennichi und Pisaura mirabilis, Heft 23, 64-68.

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