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Wandern auf Gran Canaria. Der Natternkopfwald steht in voller Blüte.

- Von Roland - in: Wanderrouten

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Es ist wieder soweit. Eines der schönsten Ziele zum Wandern auf Gran Canaria steht wieder in voller Blüte und dieses Jahr schöner denn je. Die starken Regen dieses Jahr haben eine üppige Vegetation hervorgebracht. Der Ort von wo aus wir unsere Wanderung starten, liegt in einem Tal vulkanischen Ursprungs auf 800m über dem Meeresspiegel.

Eine stille Pause nach dem anstrengenden Aufstieg, mit Blick auf den Roque Grande und den Roque Chico.

Eine stille Pause nach dem anstrengenden Aufstieg, mit Blick auf den Roque Grande und den Roque Chico.

Am 31. Juli 1916 wurde dieses kleine Dorf gegründet, weil man an dieser Stelle den Bau einer Kapelle durch die Initiative von Dr. Marquina und Pfarrer Don Francisco Gil Navarro erlaubte.

Eine Biene bei der Arbeit auf einem blauen Taginaster. Die Symbolpflanze für die ganze Region.

Eine Biene bei der Arbeit auf einem blauen Taginaster. Die Symbolpflanze für die ganze Region.

Das Tal zieht sich hoch bis zur Caldera de los Marteles und über Valsequillo bis hinunter nach Telde. Im subtropischen Klima dieses Tals, welches durch heiße Sommer und milde Winter gekennzeichnet ist, wächst auch an einer Stelle ein kleiner Wald der endemischen, kanarischen Palme (Phoenix canariensis). Dort kommen wir allerdings nicht vorbei, weil sich die Blütenvielfalt am besten oberhalb des Dorfes durch eine Wanderung erschließen läßt. Während der ganzen Wanderung hört man das Summen der Bienen, welches um den Natternkopf herum seinen Höhepunkt erreicht. Sie brauchen keine Sorge haben. Die Bienen sind im Frühjahr derart monovalent auf das Sammeln von Nektar und Pollen konzentriert, daß man sie mit dem Finger auf den Hinterleib klopfen kann und Sie nur einen Moment von Ihrer Tätigkeit absehen. Ein Bienenstich ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Honig ist eines der Produkte, die den Geschmack einer Landschaft förmlich in sich einschließen.

Der blumenreiche Aufstieg. Jörg hat es gerade noch geschafft ins Bild zu kommen. Danke. Aber nur so wird man populärer. Sich immer ins Bild drängen.

Der blumenreiche Aufstieg. Jörg hat es gerade noch geschafft ins Bild zu kommen. Danke. Aber nur so wird man populärer. Sich immer ins Bild drängen.

Beim Aufstieg hat man herrliche Ausblicke auf den kleinen Ort im Tal und bis hinunter an die Küste. Je nachdem welche Route man für die Wanderung wählt, hat man einen blumenreichen Aufstieg und einen Abstieg im Natternkopfwald oder andersherum. Darüberhinaus gibt es noch die Möglichkeit um den Roque Grande herum auf der anderen Flanke abzusteigen, was nicht weniger interessant ist. Im Frühjahr wäre es jedoch ein Frevel, weil der Natternkopf hier seltener vorkommt. Links sieht man einen Weg, der von gelbem Ranunculus gesäumt ist. Beim Aufstieg sieht man allerlei Insekten, die von den Blüten angelockt werden. Vor allem die gelben Dolden des Riesenfenchel (Ferula linkii) locken Insekten aller Art an. Besonders jedoch Fliegen. Das muß mit dem Geruch zusammenhängen, der für den Menschen nicht unbedingt attraktiv wirkt. Für Fliegen allerdings.

Schwebfliege auf einem Doldenblütler.

Schwebfliege auf einem Doldenblütler.

Die Doldenblütler sind eine riesige Pflanzenfamilie, die mit über 4000 Arten viele bekannte Nutzpflanzen aber auch hochgiftige enthält. Als Beispiel der giftige Schierling (Conium maculatum) oder die Gewürzpflanzen Anis, Dill, Fenchel, Kümmel, Koriander, Liebstöckel, Petersilie, Mohrrübe und Sellerie. Unserem Steckenkraut (Ferula linkii) rechts im Bild wird sogar eine Wirkung als Hausmittel gegen Hämorrhoiden zugesprochen. Beim Wandern auf Gran Canaria trifft man immer wieder auf die verschiedensten Vertreter dieser Familie.

Der Ölkäfer Meloe tuccius tuccius ist ein Unicum, was seinen Lebenszyklus und seine Anwendung für den Menschen betrifft.

Der Ölkäfer Meloe tuccius tuccius ist ein Unicum, was seinen Lebenszyklus betrifft und seine nahe Verwandschaft ist berühmt für eine Anwendung beim Menschen.

Im Frühjahr kann man einen Sonderling beobachten. Einen flugunfähigen Ölkäfer. Unser gran-kanarischer Vertreter ist für seine Larven auf Heuschrecken angewiesen. Er hat aber einen Verwandten und dieser ist berühmt. Die dicken ausgewachsenen Käfer seiner verwandten Art können auch nicht mehr fliegen, dafür aber fliegen seine kleinen Larven. Allerdings fliegen diese nicht mehr selbst, das wäre ja viel zu anstrengend und man muß ja Energie sparen. Eine moderne Käferlarve sucht sich ein Lufttransportmittel. Die Larven setzen sich auf Blüten und warten auf Bienen.

Dann klammern sie sich mit besonderen Klauen an die Bienen und fliegen mit in den Bienenstock. Dort ist für die weitere Entwicklung der Käferlarven der Tisch reich gedeckt. Eier, Honig und Pollen. Der erwachsene Käfer scheidet bei Belästigung sein Blut an den Gelenken der Vorderbeine aus. Das Blut, auch Hämolymphe genannt, enthält einen Stoff, der auf andere Insekten abschreckend wirken soll, beim Menschen jedoch eine potenzsteigernde Wirkung zeigt.

Exotische Blüten am Wegesrand beim Wandern auf Gran Canaria.

Exotische Blüten am Wegesrand beim Wandern auf Gran Canaria. Sieht aus wie ein Bocksbart aus der Familie der Korbblüter ? Wer weiß das ?

Beim Wander-Aufstieg kann man unzählige Vertreter eines der artenreichsten Blütenpflanzen-Familien der Korbblütler (Asteraceae) finden. Mit über 20.000 Arten wird diese Familie nur noch von den Orchideen übertroffen. Nur wenige seien genannt. Das Zwergedelweiß, die Kanarenmargerite, der Beifuß, Webbs Cinerarie, div. Disteln und unsere weit verbreitete Gänsedistel (Riesenlöwenzahn). Wir steigen langsam aufwärts. 700 Höhenmeter haben es in sich. Drei Pausen machen wir beim Aufstieg.  Schon oben nach der stillen Pause vor dem Roque Grande können wir die ersten Exemplare des blauen Natternkopf sehen. An den Nordhängen beim Abstieg erreicht er Baumgröße. Echium callithyrsum, so heißt der blaue Taginaster auf lateinisch, ist ein stark verzweigter Strauch, der bis 4m hoch werden kann. Die kräftig grünen lanzettähnlichen Blätter können bis 19cm lang werden und sind mit Härchen und Borsten bedeckt. Die Oberseite der wechselständigen Blätter fühlt sich rauh an. Die Zylinderförmigen Blütenstände stehen sehr ästhetisch geordnet und aufrecht und können ca 28cm Länge erreichen.

Der Natternkopf blüht auf. Beim Wandern auf Gran Canaria.

Der Natternkopf blüht auf. Beim Wandern auf Gran Canaria.

Im Bild sieht man die röhrenförmigen Blüten mit der gespaltenen Schlangenzunge, die namensgebend für den Natternkopf war. Die Farbe der Infloreszenzen können von weiß über verschiedene Nuancen von Blau, Rosa und intensivem Rot variieren. Am häufigsten sieht man die blaue Variante. Echium callithyrsum ist wegen seines Nektarreichtums wichtig für Bienen. Der blaue Natternkopf blüht von Februar bis Ende März und steht wegen seiner isolierten Habitate streng unter Naturschutz. Aufgrund seines Alkaloid-Gehaltes ist er giftig.

Der blaue Natternkopf gehört zu den Boraginaceae mit weltweit über 2750 Arten. Die sogenannten Rauhblattgewächse lassen sich durch die rauhen Blätter erkennen, die sich wie Schleifpapier anfühlen. Zum Beispiel die Blätter des Echium onosmifolium, welcher auf Gran Canaria in der Vegetationszone der Tabaibales und der kanarischen Kiefer zwischen 400 und 1500m über dem Meeresspiegel vorkommt. Nur der blaue Natternkopf macht eine Ausnahme. Er hat weiche Blätter und läßt nur ansatzweise ein rauhes Gefühl erfühlen. Sie können diese Wanderung mit machen, wenn Sie wollen.

Ein großes Exemplar des blauen Natternkopf. Gefunden beim Wandern auf Gran Canaria in der Nähe des Roque Grande.

Ein großes Exemplar des blauen Natternkopf. Gefunden beim Wandern auf Gran Canaria in der Nähe des Roque Grande.

Auf unserer Wanderung beim Abstieg kann man auch wieder viele Ranunculus, Pericallis webbii und blaue Taginaster sehen.

Auf unserer Wanderung beim Abstieg kann man auch wieder viele Ranunculus, Pericallis webbii und blaue Taginaster sehen.

Die Baum-Gänsedistel, Sonchus congestus. Diese Gänsedistel kann kleine Bäumchen bilden, im Gegensatz zum Sonchus acaulis, der am gleichen Standort vorkommen kann.

Die Baum-Gänsedistel, Sonchus congestus. Diese Gänsedistel kann kleine Bäumchen bilden, im Gegensatz zum Sonchus acaulis, der am gleichen Standort vorkommen kann.

Beim letzten Aufstieg unserer Wanderung kommt man an dieser natürlichen Steinmauer vorbei. Diese Mauer ist durch eine resistente, vertikale Steinschicht entstanden. Das Gestein um diese vertikale Schicht ist durch Erosion abgetragen worden.

Beim letzten Aufstieg unserer Wanderung kommt man an dieser natürlichen Steinmauer vorbei. Diese Mauer ist durch eine resistente, vertikale Steinschicht entstanden. Das Gestein um diese vertikale Schicht ist durch Erosion abgetragen worden.

Man erkennt die vertikale, resistente Gesteinschicht, die diese "Mauer" im obigen Bild gebildet hat. Was unterscheidet ein tief eingeschnittenen Barranco und einen Canon voneinander ? Ein Canon hat horizontale resistente Gesteinslagen.

Man erkennt die vertikale, resistente Gesteinschicht, die diese "Mauer" gebildet hat. Was unterscheidet einen tief eingeschnittenen Barranco und einen Canon voneinander ? Ein Canon hat horizontale, resistente Gesteinslagen und bildet deshalb seine besonderen Formationen. Im Gegensatz dazu steht unser Beispiel oben repräsentativ für eine Barrancobildung.

Ein Canon hat horizontale, resistente Gesteinslagen [...]

Ende März 2010 war der Höhepunkt der Echiumblüte auf Gran Canaria. Jedes Jahr verschiebt sich die Blüte etwas durch die Klimabedingungen.

Ende März 2010 war der Höhepunkt der Echiumblüte auf Gran Canaria. Jedes Jahr verschiebt sich die Blüte etwas durch die Klimabedingungen.

Ausblicke über den Roque Grande bis an die Küste.

Ausblicke über den Roque Grande bis an die Küste.

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Die Gänsedistel (Sonchus congestus villosus) mit fast 2m Wuchshöhe und Ihren großen gelben Blüten läßt in eine exotisch anmutende Welt eintauchen. Vor allem beim Abstieg auf der nördlicheren Seite erreicht der blaue Natternkopf die Höhe kleiner Bäume. Für jeden Naturliebhaber und Freund wilder Blütenpracht eine obligatorische Tour. Eine abwechslungreiche Tour mit blumenreichem Aufstieg, herrlichem Panorama, Kiefernwald, einem Vulkankrater und einem traumhaften Abstieg im Natternkopfwald. Im Dorf angekommen kann man Käse und Mandeltorten kaufen. Wir kehren in einer einheimischen Bar mit kanarischen Tapas ein. Beim Aufstieg, beim Abstieg und auf dem mit großen Euphorbien ebenfalls botanisch interessanten Paß kann man herrliche Panoramaaufnahmen vom Roque Grande und in Richtung Barranco de los Cernicaulos machen. Oben vor dem Vulkankrater kommt man in einen Kiefernwald hinein und beginnt dann den traumhaften Abstieg im Natternkopfwald.

Haben wir Sie neugierig gemacht ? Vielleicht haben Sie Lust mit uns auf eine Entdeckungsreise zu gehen. Keine Sorge wir können auch ohne zoologischen oder botanischen Informationsstreß nur die Landschaft, die Natur und den Tag genießen.

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