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Wandern im Nebel auf Gran Canaria. Kiefern die es regnen lassen.

- Von Roland - in: Wanderrouten

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Nebel beim Wandern ist nicht immer erwünscht aber er gehört zur Landschaft und der Natur dazu. Dort wo sich auf Gran Canaria Nebel bildet bzw. wo die Nordostpassatwolken an den Hängen hochgetrieben werden, findet sich eine reiche Vegetation. Der Nordostpassat streicht über die Wasserflächen des Atlantik und lädt sich mit sehr viel Feuchtigkeit auf. Diese Feuchtigkeit kommt in Form von Wolken an der Küste von Gran Canaria an und wird auch an den Bergen hochgetrieben. Auf diese Art entsteht auch ein kleiner Anteil Abkühlungsnebel oder typischer Bergnebel.

Der Roque Nublo und die Nordostpassatwolken im Hintergrund.

Der Roque Nublo und die Nordostpassatwolken im Hintergrund.

Trichterspinnen-Netz im Nebel. Welche Trichterspinne gehört zu diesem Netz. Geben Sie einen Kommentar ab. Danke.

Trichterspinnen-Netz im Nebel. Welche Trichterspinne gehört zu diesem Netz. Geben Sie einen Kommentar ab. Danke.

Nebel bringt manches deutlicher hervor. Bei einer unserer Wanderungen auf Gran Canaria um Tenteniguada herum, haben wir bei Nebel ein Trichterspinnennetz entdeckt, welches sich durch den kondensierten Nebel auf dem Netz besonders deutlich hervorhob. Tief in der Wohnhöhle erkennt man die Trichterspinne. Welche Trichterspinne gehört zu diesem Netz ?

Die weltweit verbreiteten Trichterspinnen weben sich eine trichterförmige Höhle. Versteckt in der Höhle warten Sie auf Beute, die sich im Trichtergewebe verfangen. Die Vibration wird von der Trichterspinne überwacht und bei Alarm laufen die Spinnen aus der Höhle und ergreifen die Beute. Ca 500 Arten gehören zur Familie der Trichterspinnen (Agelenidae) und werden auf ca 44 verschiedene Gattungen aufgeteilt.

Radspinne im Netz.

Radspinne im Netz.

Ein anderes Netz einer Radnetzspinne konnten wir beim Wandern in der gleichen Region entdecken. Der kondensierte Nebel hebt das Radnetz besonders deutlich hervor.

Zu den Radnetzspinnen (Araneidae) gehören über 3000 Arten, welche in ca 160 Gattungen eingeordnet werden. Wer kennt Sie nicht vom Namen her, die zu den Radnetzspinnen gehörende Kreuzspinne.

Ebenfalls zu den Radnetzspinnen gehört die Tigerspinne, die wir an anderer Stelle schon einmal erwähnt haben.

Kiefer im dichten Nebel. Unter der Kiefer tropft es wie bei einem sanften Regen.

Kiefer im dichten Nebel. Unter der Kiefer tropft es wie bei einem sanften Regen.

Auch kann man bei einer Nebelwanderung die Überlebenstechnik des Kiefernwaldes erleben. Ein Phänomen, welches erst durch die eigene Erfahrung bewußt wird.

Pinus Canariensis, die kanarische Kiefer hat zwischen 15 – 30 cm lange, dreikantige Nadeln, welche oft herabhängen.

Diese Nadeln haben eine Eigenschaft, die die kanarische Kiefer in Trockengebieten mit wenig direkten Niederschlägen überleben läßt. An den Nadeln kondensiert der vorbeiziehende Nebel oder die Wolken des Nordostpassates, welche oft bis in hohe Lagen getrieben werden. Man spricht vom Melken der Wolken durch die kanarische Kiefer.

Beeindruckend. Diese Pfütze entstand unter der Kiefer nur durch das abtropfende Wasser. Daneben blieb der Boden trocken.

Beeindruckend. Diese Pfütze entstand unter der Kiefer nur durch das abtropfende Wasser. Daneben blieb der Boden trocken.

Wie effizient dieses System funktioniert kann man im Bild links erkennen. Am Boden hat sich eine Wasserpfütze gebildet, welche nur durch den von den Kiefernnadeln herabtfropfenden “Regen” gebildet wurde. Wir stellten uns unter die Kiefer und es tropfte ein sanfter Regen auf uns herab. Neben der Kiefer war der Wanderweg wieder trocken.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, daß dieser Kiefernregen ausreicht um Quellwasser zu bilden.

Strauchflechte auf Kiefernrinde.

Strauchflechte auf Kiefernrinde. Hier ist auch die Luft sauber.

Auch ist er wichtig für andere Pflanzen der Kieferwaldzone, die oft direkt unter den Kiefern wachsen wie zum Beispiel Sonchus. Früher wurden die Kiefern auch zur Wassergewinnung verwendet indem man Folien unter den Kiefern aufspannte und den Regen auffing. Die kanarische Kiefer hat eine Pfahlwurzel und Oberflächenwurzeln, die das selbsterzeugte “Regenwasser” aufnehmen.

Die vorbeiziehenden Nordostpassatwolken können manchmal auf Gran Canaria in einen leichten Nieselregen übergehen. Die kanarische Kiefer kann diese Niederschlagsmenge bis um das Dreifache erhöhen. Rechts im Bild sieht man eine Strauchflechte auf Kiefernrinde in der Nähe der Caldera de los Marteles.

Hier kämpfen die Winde und die Sonne um die Wolken.

Hier kämpfen die Winde und die Sonne um die Wolken.

Die Wolken werden oft bis zum Pico de las Nieves hochgetrieben und präsentieren hier ein eindrucksvolles Schauspiel in 1946m Höhe. Oft werden durch die Winde hier oben die Wetterverhältnisse mehrmals am Tag gedreht. Mal ziehen die Passatwolken über den Pico de las Nieves hinüber bis in den Barranco de Tirajana hinein.

Eine halbe Stunde später fließen die Wolken wieder zurück und der Rest über dem wärmeren Barranco de Tirajana fällt der Sonne zum Opfer und löst sich auf.

Die Bartflechte auf der kanarischen Kiefer.

Die Bartflechte auf der kanarischen Kiefer. Saubere Luft ist hier Voraussetzung.

Die Bartflechte und andere Flechten werden von nächtlichem Nebel und den vorbeigetriebenen Wolken besonders gefördert. Sehr häufig und beeindruckend ist das Wachstum der Bartflechte, die an den gewöhnlichen Baumbart (Usnea) erinnert. Diese Flechte hängt von den Bäumen herab und gibt der  Landschaft einen besonderen Charakter.

Mehrfach waren unsere Wanderer in diesen Regionen an einen Drehort im Film “Herr der Ringe” erinnert.

Eine rote Krustenflechte auf einem Stein bei Agaete. Diese Flechten wachsen sehr langsam.

Eine rote Krustenflechte auf einem Stein bei Agaete. Diese Flechten wachsen sehr langsam. Vielleicht einen Millimeter pro Jahr.

Eine Flechte ist eine Symbiose zwischen einem Pilz und Grünalgen (oder auch Cyanobakterien). Es gibt auf der Welt wahrscheinlich über 25 000 Flechtenarten. Da der Pilz für den Aufbau und die Struktur der Flechte verantwortlich ist und sich in einer Flechte auch mehrere Grünalgenarten, sogar zusammen mit Cyanobakterien befinden können, gibt man der Flechte meist einen Namen, der mit dem Pilz in Zusammenhang steht. Als Beispiel sei die Blattflechte Peltigera venosa genannt, die auf der Oberseite Grünalgen und auf der Unterseite Cyanobakterien beherbergt. Man kann Flechten also eher zu den Pilzen rechnen.

Blattflechte mit grünem Thallus. Wer kennt diese Flechte ?

Lebermoose. Ein kleiner Kiefernbestand kann soviel Wasser in einen Hang abgeben, daß an einem schattigen Überhang Lebermoose wachsen.

Interessant ist auch, daß der Pilz ohne Alge meist nicht leben kann, die Alge aber auch ohne Pilz auskommt. Die Alge versorgt den Pilz mit Stoffen der Photosynthese und der Pilz schützt die Alge vor UV-Strahlung und Trockenheit.

Was ich immer höre ist, daß nach Deutschland mitgenommene Bartflechten sehr oft sterben. Das kann 2 Gründe haben. Die Luftverschmutzung in Deutschland läßt die symbiotische Lebensgemeinschaft nicht lange überleben. Ein anderer Grund ist die Pflege. Wenn es warm und sonnig wird, trocknen die Flechten ein und der Pilz schützt die Alge vor diesen widrigen Umständen. Die Pilzschicht wird lichtundurchlässig. Aber nur in trockenem Zustand.

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Bartflechte auf Gran Canaria.

Der menschliche Pfleger sieht aber nun, daß die Flechte sehr trocken ist und sprüht mit Wasser. Genau das bekommt der Flechte nicht, denn nun ist sie der UV-Strahlung ausgesetzt und die in der Ruhephase befindlichen Algen nehmen Schaden.

Also nur wenn es draussen regnet oder stark bewölkt ist, sollte man die Flechte besprühen. Bei Sonne, an sehr hellen und warmen Tagen läßt man die Flechte eintrocknen, egal wie lange diese Periode auch dauern mag. So übersteht die Flechte es besser. So ist das ja auch in der Natur, bei Nebel oder Regen ist es eben dunkel. Man kann aber auch am Abend sprühen, so daß die Flechten am nächsten Morgen wieder abgetrocknet sind.

Weitere Bilder aus dem “nebligen” Gran Canaria.

Haben wir Sie neugierig gemacht ? Vielleicht haben Sie Lust mit uns auf eine Entdeckungsreise zu gehen. Keine Sorge wir können auch ohne zoologischen oder botanischen Informationsstreß nur die Landschaft, die Natur und den Tag genießen.

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