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Aliens beim Wandern auf Gran Canaria entdeckt

- Von Roland - in: Fauna, Flora

Vieles kann man beim Wandern auf Gran Canaria entdecken und vor allem rechnet man mit endemischen Spezies. Was überrascht, daß Gran Canaria eine Heimat für weit über 700 verschiedene Aliens geworden ist, die ohne menschliches Zutun auf Gran Canaria überleben können. Von den meisten dieser Invasoren geht nur eine sehr geringe Gefahr aus. Einige jedoch haben sich zu einer massiven Bedrohung für die einheimische Fauna und Flora von Gran Canaria entwickelt und werden von staatlich geförderten Institutionen mehr oder weniger erfolgreich jedoch sehr trickreich bekämpft.

Alien auf Gran Canaria

Der eingeschleppte Thomisius Alien

Was ist ein Alien ? Laut Definition ist ein Alien eine eingeschleppte, nicht einheimische Tier oder Pflanzenart, die sich ohne menschliches Zutun in Ihrem neuen Gebiet ausbreitet. Der Begriff ist im Bereich der Fiktion für die bisher nicht nachgewiesenen, extraterrestrischen Aliens weitaus bekannter. Ich vertrete die Meinung, solange wir auf Gran Canaria derartigen Aliens begegnen, wie im Bild rechts, können wir leicht auf Extraterrestrische verzichten.

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Auf unseren Wanderungen kann man keine 100 Meter wandern ohne diesen eingeschleppten Spezies zu begegnen.

Blatt des Feigenkaktus (Opuntia ficus indica) mit Cochenilleschildläusen

Feigenkaktus mit Cochenilleschildläusen.

Allen voran der Feigenkaktus (Opuntia ficus indica), welcher für die Farbstoffgewinnung aus der Cochenilleschildlaus (Dactylopius coccus)nach Gran Canaria eingeführt wurde. Ein ganzer Industriezweig hatte sich auf den kanarischen Inseln zur Farbstoffgewinnung des roten Farbstoffs Karmin gebildet. Jetzt ist dieser Feigenkaktus zu einem festen Bestandteil der gran-kanarischen Landschaft geworden und kann mehrere Meter hoch werden. Die Früchte sind essbar, enthalten jedoch viele Samen.

Dem Feigenkaktus Opuntia dillenii begegnen wir beim Wandern im Westen von Gran Canaria sehr häufig. Er bleibt kleiner und die kleineren, roten Früchte schmecken besser. Vorsicht die Früchte haben einen extrem roten Farbstoff, der sehr schlecht von den Händen zu waschen ist und auch nach dem Verzehr immer wieder deutlich auftaucht. Mit einer Urinprobe nach einem O. dillenii Kompott werden Sie sofort krankgeschrieben (Nicht zur Nachahmumg empfohlen). Vorsicht der Farbstoff färbt auch Kleidung unwiderruflich rot.

Agavenblüten

Agavenblüten prägen die Landschaft Gran Canarias

Agave americana prägt das Landschaftsbild Gran Canarias noch deutlicher durch die großen Blütenstände und wurde als Futterpflanze eingeführt. Keine Wanderung ohne Agave americana. Das gefährlichste beim Wandern auf Gran Canaria sind die Stacheln dieser Agave. Auf vielen unserer Wanderwege, und selbst auf den entlegensten, sind die besonders gefährlichen Stacheln bereits von uns oder anderen Wanderern abgeschnitten worden. Es kann passieren,daß man auf Kopfhöhe und wenn man ein Baseballcap trägt, eine solche Spitze übersieht. Nach der Blüte stirbt die Agave ab bzw. schon während der Blütentriebbildung verwelken die Blätter, die als Reserve verwendet werden.

Riesige Agave

So groß kann eine Agave americana werden.

Vorher jedoch wurden bereits Ableger gebildet. Agave americana ist unverwüstlich und ist eine gute Befestigung für Böschungen. Am Strassenrand durchdringen neue Triebe jedoch den Asphalt und bilden Schlaglöcher.

Alle obengenannten invasiven Neophyten stehen in Konkurrenz mit der einheimischen Xerophytengesellschaft.

In Kulturlandschaften findet man, um nur einige zu nennen, den afrikanischen Sauerklee (Oxalis pes-caprae), die Ackerwinde (Convolvulus arvensis), die Brennessel (Urtica urens), div. Nachtschattengewächse, das Hirtenstäschelkraut , den Klatschmohn (Papaver), den Schierling (Conium maculatum) den Vogelknöterich (Polygonum aviculare) und ein Zyperngras (Cyperus rotundus).

Der drüsige Wasserdost

Der drüsige Wasserdost

Der drüsige Wasserdost (Ageratina adenophora und A. riparia), eine wunderschöne Pflanze, ist zu einem regelrechten Eroberer schattiger Regionen geworden und ist in der Lage das Hochwachsen von Lorbeerwaldkomponenten zu unterdrücken. Wie wir oft auf unseren Wanderungen beobachten konnten.

Ein schön blühender Ruderalflächenbesiedler mit großer Ausbreitung ist der zu den Nachtschattengewächsen gehörende blaugrüne Tabakbaum (Nicotiana glauca), der schon 1870 auf die Inseln gebracht wurde. Er enthält nur wenig Nikotin.

blaugrüner Tabakbaum auf Gran Canaria

Blüten des blaugrünen Tabakbaums auf Gran Canaria

Ein ausgesprochen unbeliebter Alien ist die Ulmenblatt-Brombeere (Rubus ulmifolius), welche nicht nur auf Gran Canaria sondern auch auf anderen Inseln großen Schaden anrichtet.

Der eingeschleppte Sauerklee macht vor allem frühblühenden kleineren Pflanzen zu schaffen, die teilweise ganz im Klee untergehen, wie zum Beispiel der Kanarenstendel, eine Orchideenart. Glücklicherweise verschwindet der Sauerklee wieder sobald im April die Sonne Ihre Kraft entfaltet.

Das Zyperngras ist in den Bananenplantagen im Norden häufig zu finden, dort wo relativ viel Wasser vorhanden ist. Eine gezielte Bewässerung durch Schläuche direkt an den Bananenstämmen dämmt die Ausbreitung etwas ein, weil das Zyperngras in der Sonne und bei trockenem Erdreich schnell vertrocknet.

Der Wunderbaum

Ricinus communis, ein invasiver Ruderalflächenbesiedler

Ein sehr aggressiver Alien ist der Ricinus communis, der sich auf Ruderalflächen überall ausbreitet und offiziell von den kanarischen Inseln zur Ausrottung freigegeben ist. Ricinus wächst bei hohen Temperaturen sehr schnell und kann in wenigen Monaten einige Meter erreichen. Ricinus communis gehört zu den Euphorbiaceen und in den Samenschalen steckt eines der wirksamsten, natürlichen Gifte, das Ricin. Schon 7 – 20 der Samenschalen können für einen Erwachsenen tödlich sein. Die Samenschalen müssten allerdings gut zerkaut werden. Nur das Verschlucken der wie vollgesogene Zecken aussehenden Samen allein reicht nicht aus. Das Gift steckt in der Samenschale. Für den Menschen ist wahrscheinlich bereits 1mg / kg tödlich. Die LD50 für Mäuse liegt niedriger. Das Ricinusöl ist ungiftig, weil das giftige Protein Ricin zwar wasserlöslich aber nicht fettlöslich ist.

In den letzten Monaten keimt eine neue “Antipathie” gegen die auf Gran Canaria angepflanzten Eukalyptusbäume auf. Es gibt zwei Arten, den blauen Eukalyptus (Eucalyptus globulus) und den roten Eukalyptus (E. camaldulensis). Beide trifft man beim Wandern.

Roter Eucalyptus

Der seltenere, rote Eucalyptus (Eucalyptus camaldulensis) mit Blütenknospen (oben rechts) und Früchten (unten rechts).

Es hat sich die allgemeine Meinung durchgesetzt, daß der Eukalyptus ein durch und durch schlechter Baum ist. Er verbraucht zu viel Wasser, er säuert den Boden an und er läßt wie Pino canariensis kaum Unterwuchs zu. Die Gemeinden beginnen gerade im Frühjahr immer wieder mit beherzten Abholzungen. Das erinnert mich an Andreas Gryphius: “Du siehst wohin Du siehst nur Eitelkeit auf Erden, was dieser heute baut, reißt jener morgen ein”.

Eucalyptus

Vielleicht wird aus diesem Eucalyptus-Alien einmal ein einsamer 60 m hoher Psychotop und ein wichtiges Ausflugsziel für die Region ?

Was für den Eukalyptus spricht ist, daß er sich auf Gran Canaria praktisch nicht vermehrt. Wir haben beim Wandern noch nie Jungbäume gesehen. Alle wurden vor ca 40 Jahren angepflanzt. Meiner Meinung nach sollte man die paar Eukalyptusbäume, die es auf Gran Canaria gibt stehen lassen. Nicht zuletzt, weil es stattliche Bäume werden können, die in Zukunft zu wichtigen Psychotopen für die Kanaren und die Touristen heranwachsen können. Die Strukturen von Orten können eine Atmosphäre bilden, die den Menschen emotional berührt und seelische Ruhepunkte darstellt. Für den Biologen ist ein Biotop ein Ort an dem sich die verschiedensten biologischen Lebensäußerungen zeigen. Für den Psychologen ist ein Psychotop ein Ort an dem sich “Emotionales” vollzieht. Der Mensch lebt von der Emotion und der Illusion. Niemand kann sich der Wirkung solcher Orte entziehen. Die Natur ist ein Meisterarchitekt der Psychotope und alte, große Bäume per se. Für die Kanaren entsteht Heimatgefühl, für den Touristen die Sehnsucht wiederzukommen.

Der blaue Eukalyptus könnte über 90m hoch werden. Die meisten der auf Gran Canaria stehenden, angepflanzten Bäume sind noch niedriger und ob Eucalyptus globulus diese Größe wie in Tasmanien erreichen könnte, weiß man nicht. Mit ca 35m könnte man allerdings auch auf Gran Canaria rechnen.

Eukalyptusbohrer, Phoracantha semipunctata

Der Eukalyptusbohrer ein Bockkäfer, Phoracantha semipunctata

Ein richtig invasives Insekt, welches seinem aus Australien stammenden, botanischen Invasor auf Schritt und Tritt folgt ist der Longicorno del Eucalipto (Phoracantha semipunctata). Der deutsche Name ist Eukalyptusbohrer und auf Englisch nennt man ihn Longhorn Beetle. Dieser Käfer breitet sich rasend schnell im Mittelmeerraum und auf den kanarischen Inseln aus. Seine Larven fressen sich unter der Rindenoberfläche durch den Eukalyptus. Der Vorteil für diesen Alien ist, er folgte seiner Nahrungsgrundlage dem Eukalyptus in alle Welt aber seine eigenen Feinde ließ er in Australien zurück, einen Parasiten und einen Jäger. Der Bockkäfer befällt alle auf Gran Canaria vorkommenden Eukalyptus-Arten. Die meisten Eukalyptusarten können befallen werden. Es gibt aber auch Arten, die resistent gegenüber diesem Käfer sind. Was ein gewichtiges Argument für die Artenvielfalt ist, die es zu erhalten gilt.

Königsnatter

Die Königsnatter ein spezialisierter Echsenjäger

Für besonderes Aufsehen sorgt ein weiterer invasiver Alien auf Gran Canaria, die Königsnatter (Lampropeltis getulus californiae), welche für die einheimische Reptilienfauna ein ernsthaftes Problem darstellt. Schlangenfallen und zuletzt Schlupfkästen für Weibchen wurden als Fangmethoden geprobt.

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