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Bedrohte Pflanzen auf Gran Canaria

Der Kanaren-Holunder – die seltenste Pflanze auf Gran Canaria. Beim Wandern kaum zu finden.

Das weltweite Artensterben beschleunigt sich obwohl wir es um uns herum kaum wahrnehmen können. Auch auf Gran Canaria gibt es Pflanzen und Tiere, deren letzte Examplare man in freier Natur an einer Hand abzählen kann. - Von Roland - in: Adoxaceae (Moschuskrautgewächse), Heilpflanzen

Viburnum tinus ssp. rigidum Blüte

Trugdolde des Viburnum tinus ssp. rigidum auf Gran Canaria beim Wandern entdeckt. Dies ist eine verwandte Pflanze des fast ausgestorbenen Kanaren Holunder.

Das Zeitalter des Massensterben ist angebrochen. Die Artenvielfalt schwindet weltweit in ungeheurem Tempo, aktuell zu beobachten am weltweiten Massensterben der Froschlurche. Man bemerkt es kaum. Beim Wandern ist ja alles immer noch so schön grün, so wie letztes Jahr im Urlaub. Weltweit und so auch auf Gran Canaria gibt es Pflanzen und Tiere, die kurz vor dem Aussterben stehen. Es sind alle Umwelteinflüsse zusammengenommen, die am Ende große Wirkung haben. Eine Pflanzenart die besondere Hilfsprojekte benötigt, ist der endemische Kanaren-Holunder Sambucus palmensis auf Gran Canaria, von dem es nur noch 2 Exemplare in freier Natur gibt.

Das dritte steht in einem Schutzgebiet Laguna im Norden auf Gran Canaria. Wir haben die Pflanze noch nicht gefunden. Die Kanaren nennen ihn auch Sauco Canario.

Einen nahen Verwandten des auf Gran Canaria vorkommenden Sambucus palmensis den Viburnum tinus ssp. rigidum konnten wir bei einer unserer letzten Wanderungen im Barranco de la Virgen auf Gran Canaria entdecken. Eine unserer Mitwanderinnen hatte ihn entdeckt, nachdem wir den Strauch im Schutzgebiet studiert und fotografiert hatten.

Der Kanaren Holunder gehört zu den Pflanzen des Ökosystems Lorbeerwald. Auf den anderen Inseln La Palma, La Gomera und Teneriffa gibt es noch weitere 13 Fundorte. Man könnte auf über 100 Exemplare auf allen Kanaren-Inseln kommen.

Der Kanaren-Holunder auf Gran Canaria ist ein Strauch, der auch Baumgröße erreichen kann. Die Zweige und auch die Blattstiele sind leicht behaart. Die gefiederten Blätter sind gegenständig und zeigen sich eiförmig-lanzettähnlich mit gesägtem Rand. Auf dem Bild sieht man die 5mm großen Blüten mit der 5 lappigen Krone des nah verwandten Viburnum. Den ganzen Blütenstand nennt man eine Trugdolde, weil im Gegensatz zu den Doldenblütlern noch eine Hauptachse neben den blütentragenden Nebenachsen existiert. Der Sambucus palmensis auf Gran Canaria gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae) und ist dem schwarzen Holunder Sambucus nigra ähnlich. Früher wurde der Kanaren-Holunder zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) gezählt.

viburnum tinus rigidum beeren

Beeren des Viburnum tinus ssp. rigidum auch steifer Schneeball oder Follao genannt

So wie wir es von unserem Hollunder in Deutschland kennen, benötigt er feuchte Standorte und treibt seine Wurzeln oberflächlich. Vielleicht ein Grund für sein Zurückgehen, weil der Grundwasserspiegel auf Gran Canaria in den letzten 100 Jahren stetig gesunken ist.

Fast schon als Medikament könnte man die tiefschwarze Holunderbeermarmelade meiner Mutter verkaufen. Roh sind die Früchte leicht giftig aber in Form von Mus oder Marmelade ein Genuß.

Bitte sammeln Sie nicht die Beeren der letzten beiden Sträucher auf Gran Canaria. Auf der anderen Seite bin ich mir beinahe sicher, daß Sie die beiden Sträucher nicht finden. Ich kann Ihnen auch nicht sagen ob die Beeren des Sambucus palmensis auf Gran Canaria ebenso genießbar sind. Roh auf gar keinen Fall, weil die Beeren leicht giftig sind.

Auf Gran Canaria ist der Holunder als fiebersenkend, abführend und harntreibend bekannt. Weltweit hat der Holunder ebenso große Bedeutung als Lebensmittel, Farbstoff und Heilpflanze. Erinnern Sie sich noch an Holunderbeersirup. Die hochintensiven Flavonoide der Fruchtschale werden in der Lebensmittelindustrie eingesetzt und sind als wirksame Antioxidantien bekannt.

Der Saft aus Holunderbeeren findet weltweit und traditionell als Naturheilmittel bei Erkältung (schweißtreibend und schleimlösend), Nierenproblemen und Magenbeschwerden seine Anwendung. Der Saft enthält Vitamine, ätherische Öle und die obengenannten Flavonoide als wirksame Substanzen. Auch Tee aus der Rinde oder den Blüten wird verwendet.

Der Viburnum tinus ssp. rigidum, auch steifer Schneeball genannt, ist ebenfalls ein Strauch des Ökosystem Lorbeerwald. Er wird aber auch im Kiefernwald angetroffen, sofern dieser feuchtere Bedingungen aufweist.

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