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Laubfrösche

Beim Wandern auf Gran Canaria entdeckten wir Laubfrösche. Ist es der Rana de San Antonio ?

Eigentlich sollte man den Mittelmeerlaubfrosch beim Wandern auf Gran Canaria entdecken. Wir haben Laubfrösche gefunden, die dem europäischen Laubfrosch ähnlicher sehen. Wir werden diesen Sachverhalt aufklären. - Von Roland - in: Anura (Froschlurche)

Beim Wandern um das Bergdorf Teror auf Gran Canaria, welches in einem für Sommerwanderungen günstigen Klimabereich liegt, kann man jetzt mit etwas Glück  junge Laubfrösche entdecken. Diese selten gewordenen Frösche gehören zur Familie der Hyliden. Es gibt 5 Arten in Europa: Hyla arborea, Hyla meridionalis,  Hyla intermedia, Hyla sarda und Hyla savignyi. Weltweit gibt es mehr wie 700 verschiedene Arten. Normalerweise haben wir es beim Wandern auf Gran Canaria mit Hyla meridionalis, dem Mittelmeerlaubfrosch zu tun, welcher dem deutschen Hyla arborea (europäischer Laubfrosch) sehr ähnlich sieht.

Hyla arborea oder meridionalis auf Gran Canaria

Das ist ein junger Laubfrosch, den wir beim Wandern auf Gran Canaria entdecken konnten. Handelt es sich um Hyla arborea oder Hyla meridionalis ? © Fotos von Roland Weimer.

Die populärwissenschaftliche Literatur schreibt, daß das Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Arten der bräunliche Flankenstreifen ist, der sich bei Hyla arborea von der Nase über das Trommelfell bis zu den Hinterbeinen erstreckt und die grüne Oberseite von der grauen Unterseite trennt.

Hyla meridionalis

Ein Mittelmeerlaubfrosch in der Nähe von Teror auf Gran Canaria. © Fotos von Roland Weimer.

Desweiteren sieht man bei Hyla arborea eine bräunliche Färbung, die sich auf “Hüfthöhe” etwas in Richtung Rücken beidseitig hochzieht. Auch Hüftschlinge genannt. Hyla meridionalis auf Gran Canaria hat diesen Flankenstreifen nur von der Nase bis zu den Oberarmansätzen und auch die Hüftschlinge fehlt. Schauen wir uns mal das Tier auf dem Foto an, welches bei einer Wanderung im August auf Gran Canaria entstanden ist und wir eigentlich auf Gran Canaria den Mittelmeerlaubfrosch erwarten sollten.

Wir sehen einen Flankenstreifen wie beim europäischen Laubfrosch aber ohne eine Hüftschlinge, eben so wie beim Mittelmeerlaubfrosch. Ja Wandern auf Gran Canaria birgt so manche Überraschung.

Hyla meridionalis auf Gran Canaria

Hyla meridionalis auf Gran Canaria. Man sieht die waagerecht elliptische Pupille, durch die sich der waagerechte braune Streifen zieht. Das ist eine Art Konturauflösung, die der Tarnung der Frösche dient. In diesem Falle werden die Augen als Erkennungskontur für Feinde aufgelöst. Der Frosch ist wie im ersten Bild seiner Umgebung ähnlicher. Man sehe sich im ersten Bild oben den Fenchelstengel mit dem braunen Hüllblattrand an, auf dem der ebenfalls braungeflankte Laubfrosch sitzt. © Fotos von Roland Weimer.

Mittelmeerlaubfrosch auf Gran Canaria beim Wandern entdeckt.

Unser Jungfrösche, die wir beim Wandern auf Gran Canaria entdeckten, hielten sich in großer Zahl auf den waagerechten Fencheltrieben auf. Die Frösche saßen hintereinander auf den Trieben. © Fotos von Roland Weimer.

Unsere Laubfrösche auf Gran Canaria sind Jungfrösche von diesem Jahr. Der Laubfrosch gehört nicht ursprünglich zur Fauna Gran Canarias. Er wurde eingeschleppt. Maximal 6,5cm groß kann dieser Laubfrosch werden und außerhalb der Paarungszeit findet man die Frösche in Büschen, auf Bäumen, in Bananenplantagen,  immer in der Nähe von Feuchtigkeit.

Die Laichzeit des Laubfrosches auf Gran Canaria ist zwischen März und Mai. Die Frösche sind wärmeliebend und deshalb wird sich die Laichzeit in den verschiedenen Mikroklimaten von Gran Canaria verschieben. Zur Laichzeit versammeln sich die Frösche in der Nähe von stehenden Gewässern wie z.B. Zisternen. Am Abend beginnen die Männchen in der Laichzeit sehr laut zu rufen.Es werden zahlreiche kleine Laichballen abgesetzt, die insgesamt über 1000 Eier enthalten können. Je nach Wassertemperatur dauert die Entwicklung zur schlupfreifen Kaulquappe nur wenige Tage.

Hyla meridionalis Gran Canaria

Dieser bräunliche Laubfrosch sieht dem Hyla arborea wesentlich ähnlicher. Man beachte den bräunlichen Flankenstreifen. Der Frosch ist kein Jungtier mehr ? ! Fachkundige Kommentare sind erbeten. © Fotos von Roland Weimer.

Die Kaulquappen entwickeln sich schnell und können bis zu 5cm lang werden. Nach der Metamorphose haben die an Land gehenden Frösche nur noch eine Länge von ca 2cm. Der Kaulquappenschwanz wurde teilweise resorbiert und als Energielieferant während der Metamorphose genutzt. Die Fröschchen haben beim Landgang meist den Schwanz nicht völlig resorbiert. Die Nahrungsaufnahme an Land beginnt erst viel später, wenn der Schwanz völlig resorbiert ist und das Maul ebenfalls voll entwickelt ist. An Land gegangen bleiben die Frösche noch eine zeitlang in der Nähe des Gewässers auf den umliegenden Sträuchern.

Die Färbung ist variabel und wird vom Laubfrosch geändert. Der Frosch bemerkt über die Oberflächenstruktur, auf der er sitzt, ob es sich um Pflanzen oder andere Materialien wie zum Beispiel Steine handelt. Auf pflanzlichen Untergrund wechselt er zu einer grünen Farbe und auf anderen Untergründen kann er auch einen bräunlichen Farbton einnehmen.

Bei unseren Fröschen, die wir beim Wandern auf Gran Canaria gefunden haben, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den Hyla meridionalis, den Mittelmeerlaubfrosch. Trotz der oben erwähnten Ählichkeit mit Hyla arborea. Unsere Jungfrösche des Mittelmeerlaubfrosches, die wir auf Gran Canaria entdeckten, sind dem europäischen Laubfrosch durch den braunen Flankenstreifen sehr ähnlich. Erst wenn die Frösche größer werden, verläuft sich der Streifen und verkürzt sich. Spanier nennen den Hyla arborea auch Rana de San Antonio.

Hyla meridionalis auf Gran Canaria

Diese adulten Laubfrösche haben ein bräunliche Farbe. Sie ändern Ihre Farbe mittels einer Wahrnehmung der Untergrundstruktur auf der sie sitzen. © Fotos von Roland Weimer.

Allerdings bleibt noch ein kleiner Restzweifel denn auf dem Bild oben, sehen wir einen etwas größeren Laubfrosch auf Gran Canaria, der offenbar immer noch diesen Flankenstreifen trägt. Vielleicht kann uns ein Herpetologe weiterhelfen und einen Beitrag schreiben.

Laubfrösche kann man beim Wandern auf Gran Canaria im Frühjahr finden, wenn sich die Frösche zum Laichen versammeln oder im Sommer, wenn die Metamorphose abgeschlossen ist. Dann findet man die Jungfrösche in Gewässernähe in der Vegetation. Adulte leben außerhalb der Paarungszeit sehr versteckt .

Der Tourismus auf Gran Canaria hat sehr viele Arbeitsplätze geschaffen und hat die Landwirtschaft auf Gran Canaria weniger interessant gemacht. Das hat dazu geführt, daß viele natürliche Randstrukturen erhalten geblieben sind. “Es wird nicht jeder qcm maschinell bearbeitet”. Diese Randstrukturen sind kleine Überlebensräume für Tiere und Pflanzen, die in einer intensiv genutzten Landschaft bereits flurbereinigt wären.

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Dr. Stefan Lötters

Sehr geehrter Herr Weimer,
ich denke eigentlich schon, dass “Ihre” Frösche meridionalis sein
könnten, ganz sicher bin ich mir jedoch auch nicht. Am besten ist es,
wie Sie sagen, dass Sie nochmals an der Stelle schauen, um zu prüfen,
wie die Adulti aussehen.
Wenn sich diese nicht als eindeutige meridionalis identifizieren
lassen, wird’s sehr spannend. Denn vom arborea sind ja nicht nur
mehrere Unterarten bekannt, sondern es ist ja auch die italienische
Art intermedia abgespalten worden. Eventuell gibt es auch noch weiter
östliche eine eigenständige Form. Und selbst, wenn es stinknormale
arborea wären, bliebe die Frage wie, woher, seit wann. Ich würde Ihnen
daher empfehlen, das Ganze genetisch anzugehen. Wir an der Uni Trier
könnten da gern behilflich sein.
Beste Grüße,
Stefan Lötters

jjbenke

Hallo Roland,
ich glaube daß die Fröschchen meridionalis sein müssten. Die Eltern solltest Du finden. Wenns sie keine sind ? Sind es dann arborea. Dort bei Dir im warmen ? Unwahrscheinlich.
Frage in einem Forum: http://www.dghtserver.de/foren
Viele Erfolg und ich höre von Dir
jjbenke

Jan Meyer

Der Flankenstreifen ist für einen hyla meridionalis sehr ausgeprägt. Trotzdem vermute ich, dass es ein hyla meridionalis ist, da die Hüftschlinge offensichtlich fehlt. Sicher bin ich mir aber auch nicht. Leider ist der Hüftbereich auf den Bildern schlecht sichtbar.