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Der Eukalyptus und sein ärgster Feind

Wandern zwischen Eukalyptusbohrern auf Gran Canaria ?

Der Eukalyptus ist eine eingeführte Art auf Gran Canaria, die man häufig beim Wandern sehen kann. Diesen Bäumen ist ein Invasor gefolgt, der Eukalyptusbohrer. Seine Freßfeinde und Parasiten hat er allerdings in Australien zurückgelassen. - Von Roland - in: Bäume, Coleoptera (Käfer)

Longicorno del Eucalipto (Phoracantha semipunctata)

Longicorno del Eucalipto (Phoracantha semipunctata) auf Gran Canaria. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Weibchen, weil die Antennen knapp die Körperlänge erreichen. Männchen haben stets längere Antennen als die Körperlänge beträgt. © Fotos von Roland Weimer.

Manchmal ist es so, daß ein Alien dem anderen folgt, weil der letztere vom ersten lebt. So geschehen auf Gran Canaria und mittlerweile beinahe überall wo Eukalyptus wächst. Ein echter Invasor, der seinem Wirt über Tausende von Kilometer von Australien bis auf die kanarischen Inseln folgte, ist der Longicorno del Eucalipto (Phoracantha semipunctata). (Was ist eigentlich ein Alien definitionsgemäß ?)

Eukalyptus

An diesem Eukalyptus finden die Weibchen des Eukalyptusbohrer optimale Bedingungen zur Eiablage. Die Rinde ist noch nicht völlig abgefallen, wie bei anderen großen Exemplaren oft zu sehen ist. Der Rindenwurf kommt daher, daß der Eukalyptus sich beim Wachsen um die eigene Achse dreht und die Rinde dadurch abspringt. © Fotos von Roland Weimer.

Beim Wandern im grünen Norden auf Gran Canaria sind wir ihm begegnet, dem Longhorn Beetle Alien. Auf Deutsch heißt er Eukalyptusbohrer. Dieser Käfer breitete sich rasend schnell im Mittelmeerraum und auf den kanarischen Inseln aus. Das erste mal wurde er 1987 auf Gran Canaria entdeckt und vorher war er bereits auf Teneriffa gesichtet worden. Er entwickelte sich nicht nur auf Gran Canaria zu einer Plage sondern ist auch in Kalifornien, Israel, Türkei, Portugal, Spanien, Marokko, Tunesien, Libyen und Südafrika bestens bekannt.

Der Longicorno del Eucalipto gehört zur Familie der Bockkäfer (Cerambycidae), welche mit geschätzten 26.000 Arten weltweit eine der artenreichsten Familien der Käfer (Coleoptera) ist. Bei den Käfersammlern sind Bockkäfer sehr beliebt, nicht zuletzt wegen Ihrer besonders langen und gut gegliederten Fühlern. Die Länge der Fühler übertrifft bei Männchen die eigene Körperlänge der langgezogenen Käfer, bei Weibchen nicht. Der Käfer wird hier auf Gran Canaria bis zu 2,6 cm lang.  Die Weibchen legen Ihre Eier unter der Eukalyptusrinde oder in Rindenrisse ab und wechseln dabei auch die Eukalyptusart.

Bockkäferlarve des Eukalyptusbohrer

Bockkäferlarve des Eukalyptusbohrer (Phoracantha semipunctata). Die Larven haben einen zylindrischen Habitus, was für Holzkäferlarven typisch ist, die nicht nur unter der Rinde sondern auch tief ins Holz bohren. Larven, die unter der Rinde bohren sind meist flacher oder walzenartig. Die Larven haben keine sichtbaren Beine. © Zeichnung von Roland Weimer.

Eukalyptus Samen und Blätter

Eukalyptus Samen und Blätter von Eucalyptus globulus auf Gran Canaria. © Fotos von Roland Weimer.

Die Bockkäfer-Eier sind ca 2mm groß und fahlgelb bis grünlich. [1] Es werden einzelne Eier oder kleine Gelege von 10-100 Eier abgelegt. Nach dem Schlupf fressen sich die 3 – 5 cm langen, xylobionten und zylindrischen Larven ins Eukalyptusholz, bohren sich unter der Rinde weiter und dringen schließlich teilweise ins Splint und Kernholz vor. Die Gänge können mehrere Meter betragen und sind als die typischen Frassgänge direkt unterhalb der Rinde aber auch direkt im Baum zu erkennen. Die Gänge sind dicht gefüllt mit Fraßmehl und Kot. Siehe Abbildung unten. Der Wassertransport des Eukalyptus wird dadurch gestört.

Querschnitt durch Baum mit Bockkäferbefall

Querschnitt durch Baum mit Bockkäferbefall. Zur schematischen Darstellung wurde kein Eukalyptusquerschnitt verwendet. Es handelt sich um die Douglasie (Pseudotsuga menziesii). © Foto und Schema von Roland Weimer.

Das Larvenstadium endet nach frühestens 6 Monaten. Die Verpuppung erfolgt meistens im Kernholz. Vor der Verpuppung verschließen die Larven Ihren späteren Hauptausgang mit Baumfraßmehl um so in der Verpuppungsphase besser geschützt zu sein. Der Schlupf der adulten und nachtaktiven Käfer findet im Frühsommer statt.

Junger Eukalyptusbaum.

Junger Eucalyptus globulus Baum mit den hellgrün-gräulichen Frischblättern auf Gran Canaria. Diese Blätter haben einen besonderen Citrusduft, der bei den alten Blättern mehr in den typischen Eukalyptusduft übergeht. Solche Jungbäume können bei starkem Bockkäferbefall eingehen. Alte Exemplare überleben einen Angriff der Käferlarven. Man bedenke, daß die Entwicklung im Holz bis zu 2 Jahre dauern kann. Ein Zyklus von Phoracantha semipunctata dauert aber in der Regel nur 1 Jahr. © Fotos von Roland Weimer.

Beim Wandern auf Gran Canaria sollte man immer mal ein wenig unter die Eukalyptusrinde schauen. Dort kann man auf eierlegende Weibchen oder Larven und deren Gänge treffen. Die Käfer können weite Strecken fliegend zurücklegen um einen Eukalyptus zu befallen. Kein Wunder. Beim Wandern auf Gran Canaria kann man in der Sonne stehende Eukalyptusbäume schon von weitem riechen. Ein angenehmer Duft begleitet den Wanderer im Sommer auf beinahe allen Wanderwegen im Grünen Norden von Gran Canaria. Das wird der Käfer sicher noch besser wahrnehmen als wir Wanderer.

 Longicorno del Eucalipto (Phoracantha semipunctata)

Longicorno del Eucalipto (Phoracantha semipunctata) auf Gran Canaria. Seine Larven fressen sich unter der Rindenoberfläche durch den Eukalyptus. Das führt dazu, daß stark befallene Bäume für die Forstwirtschaft nutzlos werden und nur noch als Brennholz oder zur Kompostierung verwendet werden können. © Fotos von Roland Weimer.

Der Bockkäfer befällt alle auf Gran Canaria vorkommenden Eukalyptus-Arten. Die meisten Eukalyptusarten können befallen werden. Es gibt aber auch Arten, die resistent gegenüber diesem Käfer sind. Auch einzelne Baumindividuen, besser gesagt sehr gesunde Bäume geben bei Befall eine gummiartige Masse in die Fraßgänge ab und können die Larven so töten. Die australische Regierung berichtet, daß Eukalyptusbäume an besonders trockenen Standorten weniger dieser gummiartigen Masse bilden können und deshalb besonders anfällig sind. [1] Das bedeutet den Baumbestand gesund halten.

Von Phoracantha semipunctata weiß man heute, daß bevorzugt geschwächte und sterbende Eukalyptusbäume befallen werden, während andere Arten auch sehr vitale Eukalyptus angreifen, wie zum Beispiel die Tryphocaria acanthocera. [1] Bei starkem Befall können Eukalyptusbäume absterben.

Der Vorteil für diesen Alien auf Gran Canaria ist, er folgte seiner Nahrungsgrundlage dem Eukalyptus in alle Welt aber seine eigenen Feinde ließ er in Australien zurück. Zu seinen Feinden gehören spezialisierte Wespen, Fliegen, andere Käfer, käferfressende Jäger im allgemeinen, der schwarze Kakadu und Parasiten. Was ein gewichtiges Argument für die Artenvielfalt ist, die es zu erhalten gilt.

Schauen Sie mal wie destruktiv diese kleinen Käfer sein können. Für interessante Geschichten über Käfer besuchen Sie diese informative Seite.

Literatur: [1] Charlma Phillips, (2010) Longicorn Beetles. PIRSA Forestry, Government of South Australia: Publications Index. Longicorn Beetles 1

An dieser Stelle habe ich eine Bitte an Förster und Forstbiologen.

Auch die kanarische Kiefer (Pinus canariensis) auf Gran Canaria zeigt mancherorts einen starken Befall eines Bockkäfers, wie wir beim Wandern schon öfters feststellen konnten. Um welchen Bockkäfer könnte es sich handeln ? Fachkundige Kommentare sind erwünscht. Vielen Dank.

Bockkäferfraß an der kanarischen Kiefer

Bockkäferfraß an der kanarischen Kiefer. Welcher Bockkäfer ist das ? Kommentare erwünscht. Vielen Dank. © Fotos von Roland Weimer.

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