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Multitasking bei Rieseneidechsen

Eddie auf Gran Canaria beherrscht die Krokodilrolle

Wenn man einer erwachsenen Gallotia auf Gran Canaria eine Banane vorhält, verliert die Echse manchmal die Furcht und vollführt einige Kunststücke. Zum Beispiel Sprünge und die Krokodilrolle. Unser Eddie hat sogar schon etwas dazugelernt. Aber Vorsicht die Echsen beissen zu. - Von Roland - in: Lacertidae (Echte Eidechsen)

Gallotia auf Gran Canaria

Eduard sitzt auf meinem Wanderrucksack und wartet auf ein zweites Bananenstück. © Foto von Roland Weimer.

Krokodilfang

Der Autor mit einem gefangenem Krokodil auf Kuba. Obwohl Eddie mit den Krokodilen nicht verwandt ist beherrscht er die Krokodilrolle. © Foto von Roland Weimer.

Alligatoren und Krokodile versuchen Stücke aus Beutetieren herauszureißen indem sie sich im toten und manchmal auch lebenden Beutetier festbeißen und sich dann mehrmals schnell um die eigene Achse drehen. Dabei wird das mit den Zähnen gepackte Fleisch oder Gliedstück durch die Drehung abgetrennt. Man könnte das auch als Alligatorenrolle, Krokodilrolle oder Todesrolle bezeichnen.

Die ersten Begegnungen

Auf unseren Wanderungen auf Gran Canaria treffe ich immer wieder an der gleichen Stelle auf ein großes Männchen von Gallotia stehlini, der gran-kanarischen Rieseneidechse. Schon bei der ersten Begegnung fiel mir auf, daß die Rieseneidechse überhaupt keine Scheu zeigte, sobald es um Futter ging. Ich hatte Bananen, Brot, Schinken und Käse dabei. Beim zweiten Mal mit Wanderern konnten wir beobachten, daß die Echse auf das Rascheln von Aluminiumfolie und Brotzeitpapier reagierte und in die Richtung des Geräusches und der Bewegung lief.

Dressierte Gallotia auf Gran Canaria

Eddie auf Gran Canaria läuft den Arm hoch um sich ein Bananenstück zu holen. © Foto von Ralf.

Die Rieseneidechse kann auch Farben wahrnehmen. Die gelbe Farbe einer Banane lockte die Rieseneidechse an, obwohl wir die Banane nicht bewegten. In einem Fall wollte die Rieseneidechse direkt in den Rucksack kriechen wo noch eine weitere Banane lag.

Gallotia stehlini auf Gran Canaria ist ein Allesfresser und kann dort wo der Mensch etwas zurückläßt auch größer werden. Wie zum Beispiel die “Riesen” in Arucas auf Gran Canaria, die auf Brachflächen neben einem großen Parkplatz leben und sich zum Teil von Essensresten ernähren. Salami, Käse, Schinken, Bockwürste, Tomaten, Bananen, Äpfel und vieles mehr werden gerne angenommen. Zur natürlichen Ernährung gehören ebenfalls Blüten, Früchte, Samen, Insekten und auch andere Echsen, Aas, oder Kleinsäuger werden nicht verschmäht. Das Erkennen von Blütenfarben muß Gallotia auf Gran Canaria also beherrschen.

Gallotia auf Gran Canaria frisst Schinken

Eddie auf Gran Canaria beißt in den Schinken und gleichzeitig in den Finger. Die Dressur ist noch nicht ganz abgeschlossen. Aber das wird schon. © Foto von Ralf.

Eddie auf Gran Canaria beißt zu

Zwei Mitwanderer haben diese zutrauliche Rieseneidechse auf Gran Canaria ebenfalls kennengelernt und haben ihr spontan den Namen Eduard gegeben. Man könnte auch Eddie sagen.

Der Film von der Fütterung und einige Fotos stammen von Ralf. Vielen Dank. Bei dieser Begegnung sprang Eddie direkt ca 10 cm vom Boden hoch und biß in meinen Finger mit dem ich das Futter hielt. Es zwickt ein wenig aber es geht keine Verletzungsgefahr von dem Biß aus. Eddie läßt los sobald er bemerkt, daß an dem Finger noch weitere 88kg dranhängen.

Wenn man den Finger hinhält, kommt Eddie näher, prüft mit der Zunge den Geruch, läßt ab oder beisst kurz rein um zu sehen was passiert oder ob es doch essbar ist.

Gallotia vor Höhle auf Gran Canaria

Eddie vor seiner Höhle auf Gran Canaria. Er hat noch ein Stück Schinken im Hals und kommt jetzt raus. © Foto von Roland Weimer.

Gallotia auf Gran Canaria holt sich eine Banane auf dem Rucksack.

Eddie von Gran Canaria holt sich ein Stück Banane auf meinem Wanderrucksack. © Foto von Roland Weimer.

Diese Beißversuche bitte nicht nachahmen.

Ich bin es gewöhnt und verhalte mich kontrolliert. Sie erschrecken womöglich und schleudern beim Zurückziehen Ihres Fingers Eddie oder einen Kollegen seiner Species auf Gran Canaria meterweit durch die Luft.

Fliegen können Echsen nicht mehr und deshalb ist es ungesund. Eddie hatte auch keine Flugsaurier als Vorfahren.

Gallotia macht die Krokodilrolle auf Gran Canaria

Eddie macht die Krokodilrolle. Er drehte sich, wie ein Krokodil, so oft um die eigene Achse bis das Stück Brot abriß. © Foto von Ralf.

Eddie beherrscht die Todesrolle

Ein weiterer Fütterungsversuch brachte etwas erstaunliches zum Vorschein. Eddie beherrscht die Krokodilrolle.

Wenn man Eddie ein Stück Brot hinhält und ihn zubeißen läßt aber das Brot nicht losläßt, dreht sich Eddie mehrfach um die eigene Achse und zwar solange bis ein Brotstück abgedreht ist. Das gleiche Verhalten ist bei Krokodilen bekannt. Diese Rolle ist weit verbreitet im Tierreich. Auch bei Amphibien, zum Beispiel dem mexikanischen Axolottl ist diese Rolle bekannt. Terrarianer sollten darauf achten, daß die Becken groß genug sind, weil viele Terrarientiere dieses Verhalten an den Tag legen können. Die Bißverletzungen mit “Krokodilrolle” sind kaum zu kurieren. In der Schlangenzucht verwendet man oft Terrarien mit Schiebehölzern um das Terrarium in 2 Hälften zu teilen. So kann man die Tiere zeitweise trennen. Zum Beispiel in Hungerphasen oder anderen notwendigen Stresssituationen in denen auch Auseinandersetzungen der Tiere untereinander häufiger werden. Teilbare Terrarien sind deshalb immer eine Überlegung wert.

Wo unser dressierter Eddie auf Gran Canaria wohnt, verraten wir zu seinem eigenen Schutz nicht. Denn die Hälte vom Schwanz wurde offenbar einmal abgerissen und ist wieder nachgewachsen. Aber wenn wir vorbeikommen, geht die Dressur weiter.

Gallotia beisst in Brot auf Gran Canaria

Eddie kurz vor der Krokodilrolle. © Foto von Ralf.

Eddie stammt aber dennoch nicht aus der Linie der großen Archosauria (Dinosaurier, Krokodile, Flugsaurier und Vögel), wie man vielleicht annehmen könnte sondern aus der Überordnung der Lepidosauria, die sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte von den Archosauria trennten und unsere heutigen Echsen, Schlangen und Brückenechsen zur Entwicklung brachten. Deshalb sind die Vorfahren von Eddie nicht weniger alt. Die Lepidosauria starteten Ihre Entfaltung bzw. Abtrennung von den Archosauria sehr früh, irgendwann im Perm und das begann vor 299 Millionen Jahren.

War Multitasking in der Evolution ein Selektionsfaktor ?

Eddie hat ein einfaches kalkulierbares Verhalten. Geht es nicht um Futter, ist sein Verhalten auf Flucht und Verteidigung eingestellt. Sobald etwas Futter gerochen wird bzw. der erste Bissen geschluckt ist, wird ein “Schalter” im Gehirn umgestellt und Eddie konzentriert sich nur aufs Futter und vergisst ausser ein paar während dem Laufen automatisierte Drohgebärden sämtliche Fluchtinstinkte. Diese Drohgebärden kann man sehr gut in dem Film von Ralf sehen. Muß ich aber noch online stellen.

Gallotia auf Gran Canaria frisst Banane

Eddie frisst eine Banane auf meinem Wanderrucksack. Eddie würde eine mittelgroße Banane verspeisen können. Wir geben ihm jedoch weniger damit er sich nicht übernimmt. © Foto von Roland Weimer.

Wenn Eddie auf Gran Canaria beides könnte, wäre das Multitasking und in seinem Fall, in der freien Wildbahn, wäre das sehr wünschenswert. Sicher hat Eddie auch etwas dazugelernt und den Konflikt Fressen oder Flüchten nach und nach überwunden.

Mit Multitasking bezeichnet man die Fähigkeit zwei oder mehrere Aufgaben gleichzeitig durchzuführen. Multitasking braucht auch beim Menschen eine erhöhte Aufmerksamkeit, fördert die Fehlerhäufigkeit und erzeugt Stress.

Im Falle Eddie wäre Multitasking gut, weil Eddie während unserer Fütterung freiwillig jedes Kunststück wie zum Beispiel hochspringen und am Futter festbeißen ohne jede Furcht abarbeitete. Alles mit voller Konzentration auf eine Sache. Währenddessen hätten wir ihn greifen und verschlucken können. Er hätte es zu spät bemerkt. Einen Falken aus der Luft hätte Eddie praktisch gar nicht bemerkt. (Oder doch aus dem Augenwinkel ? Man weiß ja nie)

Diese Diskussion ist komplexer als hier beschrieben und wurde von mir nur angeregt. Vielleicht verirrt sich mal ein Verhaltensforscher auf diese Seite und klärt uns über das monovalente Reptiliengehirn und oben beschriebene Verhaltensweisen auf. Vielen Dank.

Der Angriff der Cafemaschine

Eine Nachricht an alle Personalchefs bzgl. Multitasking

Gallotia beisst in eine Semmel auf Gran Canaria

Eddie beisst in eine Wander-Semmel. © Foto von Ralf.

Wann passiert einem Menschen am Arbeitsplatz, daß er beim Telefonieren und beim Mails beantworten gleichzeitig von einer Cafemaschine angegriffen und verschluckt wird ? Sehr, sehr selten. Vielleicht in 50 Jahren, wenn  Cafemaschinen laufen können und künstliche Intelligenz haben. Also die Botschaft an alle Personalchefs. Lassen sie Ihre Mitarbeiter eines nach dem anderen abarbeiten. Multitasking ist nur unter steinzeitlichen Bedingungen von Nutzen. Und nicht einmal Eddie, der es für sein Überleben nötig hätte, beherrscht es.

Weil Echsen recht schwierig zwei Dinge auf einmal auf die Reihe bringen, kann man so leicht mit Ihnen umgehen, vorrausgesetzt man kennt die “Umschalter” und ihr Verhalten.

Eddie ist, wenn es ums Futter geht beinahe ein kleiner Künstler oder Artist. Wenn es uns schon eine Echse vormacht, sollten wir das auch lernen können. In der Zirkusschule CAT (Circus Animation Theater) kann Ihnen Maren das Lachen lernen oder Sie zum Artisten werden lassen. Vielleicht brauchen Sie eine Artisten ? Eddie kann ich Ihnen nicht ausfliegen aber vielleicht kann Maren Ihnen helfen.

Weitere Bilder von Gallotia stehlini auf Gran Canaria. Zum schnellen Bildwechsel ziehen Sie die Maus kurz über das Bild.

Haben wir Sie neugierig gemacht ? Vielleicht haben Sie Lust mit uns auf eine Entdeckungsreise zu gehen. Keine Sorge wir können auch ohne zoologischen oder botanischen Informationsstreß nur die Landschaft, die Natur und den Tag genießen.

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