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Die Flora der kanarischen Inseln

- Von Roland - in: Flora

Cistrose auf Gran Canaria

ALLGEMEINES. Topografie und Klima:
Die Vegetation hängt stark von der Höhe und der Nord-Süd Orientierung ab. Gran Canaria hat große Höhenunterschiede. Am höchsten Punkt dem Pico de las Nieves befindet man sich auf 1949m Höhe. Höhenabhängig bilden sich Klimazonen aus und ebenso vielfältig ist das Mikroklima. Die Habitate sind stark zerklüftet. Das mediterrane, subtropische Klima wechselt zwischen einem trockenen Sommer und einem feuchten und kühleren Winter ab. Die Spitzen der Temperatur werden durch den Kanarenstrom gedämpft. Der Nordostpassat bringt Feuchtigkeit und Regen auf der Nordostseite von Gran Canaria während es im Südwesten trockener und wärmer bleibt.

Die Temperaturen sind im Nordosten sehr gemäßtigt mit einem Jahresdurchschnitt von 18°C. Im Hochgebirge kann es gelegentlich Schneefall und leichten Frost geben. Im Süden liegt die Durchschnittstemperatur deutlich höher. Auf der Südseite können die jährlichen Niederschläge unter 200 mm abfallen. Auf der Nordostseite können die Passatwolken in einer Höhe von 600 bis 1.500 Metern 1.000 mm Niederschlag bringen.

In dieser Höhenlage ist der zusätzliche Niederschlag durch Nebelbildung und Tau ein ganz entscheidender Überlebensfaktor wie zum Beispiel für Pinus canariensis. Ab 1500m nimmt der Niederschlag langsam wieder bis auf 300mm im Hochgebirge (Teide) ab.

Ursprung der Flora

Man kann davon ausgehen, das es über 2000 Pflanzenarten auf den kanarischen Inseln gibt von denen ca 1300 ursprünglich vorkamen mit über 500 endemischen Arten. Ursprünglich stammen die auf den kanarischen Inseln einheimischen (autochtonen) und endemischen Arten aus einem mesogenen (heutige Mittelmeerregion) Anteil der Flora, welcher heute im Lorbeerwald anzutreffen ist und einem afrikanischen Kontingent mit xerophilen Gattungen wie Euphorbia, Dracaena und Aeonium. Die kanarischen Inseln haben einen sehr hohen Anteil an endemischen Arten im Vergleich zum spanischen Festland. Ursache ist die Vielfältigkeit der Topografie und des Klimas, welches eine große Anzahl unterchiedlichster Habitate, Biotope und ökologische Nischen bildet. Die Grundlage für eine weitere Auffächerung in höherspezialisierte Arten (Neoendemiten). Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs, waren nie mit dem Festland verbunden und hatten in der Entwicklungsgeschichte keine extremen klimatischen Schwankungen. Viele Arten haben deswegen hier als Relikte (Paläoendemiten) vergangener Zeiten überleben können.

Vegetationszonen

David Bramwell (1997) teilt in vier verschiedene Vegetationszonen auf. Eine Zone kann aus verschiedenen Pflanzengesellschaften bestehen.

  • azonale Vegetation bis 100m und Cardonal / Tabaibal bis 600m
  • Vegetationszone Lobeerwald (Laurisilva) Fayal-Brezal 600 – 1500m
  • Die Zone der kanarischen Kiefer 800 – 2000m
  • Vegetationszone Hochgebirge ab 1500 (Übergang) bis über 2000m

Darüberhinaus findet man in verschiedenen Quellen eine Einteilung in 4 biologische Klimastufen (infrakanarisch, thermokanarisch, mesokanarisch und suprakanarisch). Jede dieser Stufen hat seine charakteristischen Vegetationszonen mit den dazugehörigen Pflanzengesellschaften. Neben den großen vier Stufen gibt es eine Reihe bioklimatischer Sonderzonen mit extremen Bedingungen und ihren stark angepassten Pflanzen.

  • Halophile Küstenpflanzen unter Einfluß der Gischt und Sprühzone.
  • Sandpflanzen (psammophile) z.B. in den Wanderdünen von Maspalomas
  • Felsenpflanzen

Sonderzone halophile Küstenvegetation

Diese Pflanzen sind an Dürre, Sonne, starke Winde und Salz angepasst. Viele Pflanzen dieser infrakanarische Stufe sind salztolerant (halophil). Nicht das Klima an sich sondern die physikalisch/chemischen Beschaffenheiten der Umgebung sind hier der entscheidende Faktor. Die azonale Vegetation bis 100m über dem Meeresspiegel wird dominiert von Xerophyten wie z.B. Euphorbia balsamifera (Tabaiba), Euphorbia aphylla und andere wie Astadymia latifolia (Lechuga del Mar), Sempervivum (Limonium pectinatum), Frankenia ericifolia, Lycium intricatum, Schysogyne sericea, Crithmum maritimum, Argyrathemum frutescens und Zygophyllum fontanesii. Auf sandigem Untergund findet man Traganum moquinii, Euphorbia paralias, Lotus arinagensis, Polygonum maritimum und Convolvulus caput-medusae.

Cardonal / Tabaibal bis 600m

Dies ist die niedrige Vegetationszone (infrakanarische Stufe) bis 600m über dem Meeresspiegel. Diese Zone nennt man auch Cardonal / Tabaibal namensgebend nach den hier dominierenden Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae). Im Norden geht diese Stufe meist nicht über 400m hinaus, im Süden bis 600m. Hier herrschen Trockenheit, intensive Sonnenbestrahlung und hohe Temperaturen. Entsprechend angepasst mit sukkulentem Habitus zeigen sich die Vertreter. Ab ca 100m werden die Küstenarten von einer Pflanzengesellschaft der Tabaibal abgewechselt. Besonders treten hier Euphorbia canariensis (Cardon canaria), Euphorbia aphylla, Euphorbia balsamifera und Euphorbia regis-jubae hervor. Die Pflanzengesellschaften der Tabaiba sind sehr artenreich. Darüberhinaus stechen hier die Arten der Gattung Sonchus (Asteraceae), Argyranthemum (Asteraceae – Margeriten), Aeonium (Crassulaceae), Ceropegia und ebenso Echium decaisnei und Kleinia neriifolia (Verode) hervor. In den trockenen Täler findet man Ansammlungen der kanarischen Dattelpalme, Phoenix canariensis. An Stellen mit besonderer Trockenheit werden die Euphorbiaceen von Launaea arborescens und Plocama pendulla abgelöst.

Thermosklerophile Übergangszone

Innerhalb der Zone von 200 – 600m findet ein langsamer Übergang der Vegetationszone der thermophilen Pflanzengesellschaft oder eines thermophilen Waldes mit Palmen und Drachenbäumen zum Lorbeerwald statt. Diese entspricht der thermokanarischen Stufe. Die Niederschläge liegen meist unter 500mm und die Temperatur zeigt sich gemäßigt im Mttel mit 18°C. Hier kann man verschiedene Gesellschaften antreffen, die dominiert werden von Phoenix canariensis, Juniperus canariensis, Pistacia lentiscus, P. atlantica oder Olea europaea cerasiformis.

Vegetationszone Lobeerwald (Laurisilva)

Auch als subhumide Bergzone bezeichnet (in der mesokanarischen Stufe). Der Lorbeerwald gedeiht von 600 bis ca 1500m an den Nordhängen der kanarischen Inseln, dort wo die Passatwinde Wolken bis in die hohen Berge treiben. Nebelbildung und häufiger Regen sind die Folge. Auch im Sommer wird immer Feuchtigkeit an den Wald abgegeben. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 15°C und die Niederschläge bei 1000mm. Die größte Artenvielfalt der Flora und Fauna findet man hier. Ca 18 verschiedene Baumarten wachsen mit dem Lorbeer zusammen. Im Unterholz findet man eine große Vielfalt z.B. Farne, Cineraria, Veilchen und Salbei etc. Es gibt vier Hauptarten, die den charakteristischen Lorbeerwald ausmachen: Laurus azorica (Laurel canario), Apollonias barbujana (Barbusano), Persea indica (Vinatigo) und Osotea foetens (Til).

Bekannt ist auf Gran Canaria der Lorbeerwald Los Tilos bei Moya. In diesem kleinen nur wenige Hektar großen Restwald haben zwei endemische Pflanzenarten, “La cresta de gallo de Moya (Isoplexis chalcantha – Scrophulariaceae) und “La salvia blanca” (Sideritis discolor) überlebt, und nur hier auf Gran Canaria. Der Bestand von Sideritis discolor wird auf weniger als 100 geschätzt.

In den etwas trockeneren Zonen in dieser Höhe bildet sich eine Vegetation aus, die auf Gran Canaria als Fayal-Brezal bezeichnet wird. Namensgebend sind die Pflanzen Faya (Myrica faya) und Brezo (Erica arborea), uns bekannt als Gagelstrauch und Baumheide. Charakteristisch ist auch die kanarische Stechpalme (Ilex canariensis). Lorbeerwald und Fayal-Brezal werden als “Monte Verde” bezeichnet. Fayal-Brezal findet man ab 1000m aufwärts bis 1500m.

Die Zone der kanarischen Kiefer

Diese Vegetationsform kann man bereits ab 800 bis auf 2000m Höhe vorfinden. Dort wo der Passatwind aufsteigt und Niederschläge bildet, findet man die am höchstgelegenen Wälder. Der kanarische Kiefernwald wird von nur einer Art bestimmt, Pinus canariensis. Verglichen mit dem Lorbeerwald wachsen hier im Unterholz nur wenig Kräuter und Sträucher. Am häufigsten findet man hier: Cistus symphytifolius (Las Jaras), diverse Micromeria (Tomillos), Adenocarpus foliolosus (Codesos) und verschiedene Lotusarten (Corazoncillos).

Sehr viel seltener zu finden sind: Helianthemum bystropogophyllum (Tumero), Micromeria pineolens (Tomillo), Adenocarpus ombriosus (Codeso del Hierro) und Lactucosonchus webbii (Lechuga). Der Wald ist außerordentlich wichtig gegen die Bodenerosion und ein wichtiger Zufluchtsort für endemische Vogelarten, wie zum Beispiel der Pinzon azul, Pajaro carpintero und der Pico picapinus.

Vegetationszone Hochgebirge

Ab 1500m beginnt der Übergang zu diesem besonderen Ökosystem in der suprakanarischen Höhenstufe, welches von Sträuchern geprägt wird und vielen Leguminosen. Auf Tenerife und La Palma kann man eindrucksvoll diese Pflanzengesellschaften studieren. Auf Gran Canaria findet man eine ähnliche Phytozönose in “La Cumbre”. Hier herrschen die Sträucher Teline microphylla (Retama amarilla) und Pterocephalus dumetorum (Rosalito de montana) vor und viele andere interessante Pflanzen der Gattung Micromeria, Sideritis, Senecio, Descurainia und Sonchus.

Sonderzone Felsenvegetation

In den Wänden und Felsspalten der Küste und bis hinauf in die Hochgebirgsregionen finden sich interessante Pflanzen, die sich an ein exponiertes Leben angepasst haben. Hier dominieren die Gattungen Sonchus, Aeonium Greenovia, Aichrysum und Echium gentianoides.

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